Bei Manfred Dannegger gibt es am ersten Adventswochenende Frisches aus dem selbst gebauten Holzbrandofen. Wer dabei allerdings an kulinarische Leckereien denkt, der wird enttäuscht sein. Denn was der 66-Jährige aus dem begehbaren Ofen mit den dicken Ziegelwänden, riesigen Aschekästen sowie zwei rußgeschwärzten Feuerklappen holt, ist zwar dunkelbraun und glänzend, aber nicht essbar.

Der Töpfer aus dem Oderbruch-Örtchen Groß Neuendorf (Märkisch-Oderland) gehört zu den letzten Handwerkern deutschlandweit die sich auf die Herstellung von Braunzeug nach Bunzlauer Art verstehen. Die lehmglasierten Töpferwaren, die noch vor 100 Jahren in vielen Haushalten von Bauern und Fischern zum Inventar gehörten, sind schlicht und schnörkellos - wie der langjährige Seemann Dannegger selbst. Er orientiert sich an alten, überlieferten Formen, lässt auf der Töpferscheibe Schüsseln, Tassen, Krüge, Schalen, Kannen entstehen. "Ich mache Töppe, keine Kunst", pflegt der gebürtige Usedomer (Mecklenburg-Vorpommern) zu sagen.

Sein Braunzeug ist noch handwarm, wenn Dannegger es an diesem Wochenende aus dem riesigen Ofen holt. "Die Leute kaufen bei mir nicht nur Töppe, sondern auch die Geschichte dazu", so seine Erfahrung. Im Alltag bleibt dem Handwerker mit dem typisch norddeutschen Dialekt für Kundengespräche und Erläuterungen zur Technik nur wenig Zeit. Bei seinem traditionellen "Advent am Holzbrandofen" nimmt er sich die jedoch, an beiden Tagen jeweils zwischen 11 und 18 Uhr. Sein Advent am Holzbrandofen soll eine Alternative zu Weihnachtsmärkten sein - gemütlich, aber nicht langweilig. "Es gibt keine der üblichen Weihnachtslieder-Beschallungen", stellt er klar.

Dafür aber Lagerfeuer, warme Suppe, frisch gebackenen Kuchen, Plätzchen und Punsch und Informationen zum alten Handwerk: Besucher erfahren beispielsweise, dass der Ofen einen Tag vor dem eigentlichen Brennen "warmlaufen" muss oder dass die Tonrohlinge nach dem Drehen auf der Töpferscheibe zunächst zehn bis zwölf Tage trocknen und dabei sowie beim Brennen um bis zu 15 Prozent schrumpfen. Und sie lernen, dass Hast beim Töpfern schädlich ist. "Die Dinge brauchen ihre Zeit und der Ofen gibt letztlich den Takt vor", sagt Dannegger. Durch die hohe Brenntemperatur von 1300 Grad sind seine Gefäße besonders dicht, feuerfest und vertragen Temperaturwechsel.

"Ich schwöre seit Jahren auf die Schüsseln und Krüge", sagt Elvira Burmeister, die mit Mann Ralph extra aus dem uckermärkischen Angermünde angereist ist. Diesmal sind die beiden auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken. Bierkrüge, Vogelhäuschen, Auflauf- und Backformen wandern in die mitgebrachte Stiege, einige Geldscheine in die Tasche des Töpfers. So ein einträgliches Geschäft hat er nicht oft. "Ich lebe von der Laufkundschaft, habe keine festen Abnehmer", sagt der Autodidakt.

Vor neun Jahren zog er ins Oderbruch, nachdem er per Zufall den alten Bauernhof mit dem 1830 erbauten Fachwerkhäuschen gleich hinter dem Flussdeich in Groß Neuendorf gefunden hatte. An der Stelle des alten Stalls steht heute seine Werkstatt, deren Herzstück der selbst gebaute Holzbrandofen ist. Hilfe könnte der Handwerker bei der auch körperlich schweren Arbeit inzwischen gebrauchen, gibt er zu. Die Töpferei werfe allerdings nicht so viel ab, dass er einen Mitarbeiter bezahlen könnte. Dass die Tradition der Braunzeug-Fertigung nach Bunzlauer Art erhalten bleibt, wünscht sich der Töpfer schon. Allerdings sei auch ein Nachfolger schwer zu finden.