Wenn der Lieferfahrer mit dem Essen in der Assiette kommt, wartet die alte Dame schon sehnsüchtig auf ihn. Der Grund ist weniger der Hunger oder die Vorfreude auf die Mahlzeit. "Für viele Senioren sind das Mittagessen und der tägliche Besuch des Menükuriers der Höhepunkt des Tages", sagt Michael Tschech. Er ist Marketingleiter des Unternehmens Apetito. Der Catering-Service arbeitet in Sachsen mit verschiedenen Vertriebspartnern wie etwa dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) zusammen.

Im Freistaat und auch in Brandenburg bestellen laut Anbietern immer mehr Menschen Essen auf Rädern. Viele wollten auch in hohem Alter in den eigenen vier Wänden leben, auch wenn sie alleinstehend sind. Zudem seien sie der Meinung, dass sich das Kochen für eine Person nicht lohne, sagt Apetito-Manager Tschech.

Bundesweit arbeitet sein Unternehmen mit rund 1000 Organisationen wie dem DRK, den Johannitern, der Volkssolidarität oder dem Arbeiter-Samariter-Bund zusammen. Das Durchschnittsalter der Tischgäste liegt heute bei etwa 82 Jahren, wobei der Anteil der Frauen unter den Kunden zwei Drittel ausmacht.

Höhere Preise durch Mindestlohn

Durch die Einführung des Mindestlohns mussten verschiedene Anbieter zuletzt ihre Preise erhöhen. "Unser Menüdienst liefert rund 40 bis 50 Portionen pro Tag in Hoyerswerda und Umgebung aus", berichtet Franziska Mosig vom VdK. Beliefert würden in erster Linie Senioren und Menschen mit Behinderung. Der Mindestlohn habe zu einer Preiserhöhung von 30 Prozent geführt.

In Brandenburg sind die Bringdienste vor allem im ländlichen Raum beliebt. "Unsere Kunden sind überwiegend pflegebedürftige Senioren", sagt Peter Lange vom brandenburgischen Landesverband der Volkssolidarität. Pro Monat habe deren mobiler Bringservice im Vorjahr mehr als 31 000 Portionen für fast 1600 Kunden im Land ausgeliefert - fast 1000 Portionen mehr als noch 2013. Inzwischen werden auch vegetarische Speisen angeboten. Bioprodukte spielten nur eine untergeordnete Rolle, sagt Lange.

Der Markt ist umkämpft. Und weil es viel Konkurrenz gibt, hat zum Beispiel der Arbeiter-Samariter-Bund Neuruppin seinen Service eingestellt. Die verbliebenen 50 Kunden des Anbieters wurden an einen Caterer abgegeben. Aber auch Fleischer oder Landgasthäuser bieten Essen auf Rädern an. Nicht nur für Kitas oder Altenheime, sondern auch für Privathaushalte, wie der Hauptgeschäftsführer des brandenburgischen Hotel und Gaststättenverbands, Olaf Lücke, sagt. Punkten könnten diese Betriebe mit regionalen Produkten.

Bei Bodo Schmidt von der Landgaststätte Gräfendorf in Herzberg (Elbe-Elster) kosten die Speisen zwischen drei und vier Euro. Zu DDR-Zeiten war der Betrieb eine Agrargroßküche; lange lebte Schmidts Gasthaus auch von Kunden der Verwaltungen in Herzberg. Heute beliefert er viele Rentner und Pflegeeinrichtungen. "Wir kochen jeden Tag frisch", sagt Schmidt. Auf dem Speiseplan: Klassiker wie Makkaroni, Kochklopse oder Blumenkohl.

Zum Thema:
Die Verbraucherzentrale Sachsen rät, mehrere Anbieter für Essen auf Rädern zu testen. Manchmal wissen Freunde und Nachbarn, welche Anbieter empfehlenswert seien. Die Preisspanne liege zwischen unter vier Euro bis fast acht Euro je Mahlzeit. Checkliste für die Anbieterauswahl: www.lr-online.de/essencheck