Vor sieben Jahren begannen die Vorbereitungen - Kundenbetreuung, Materialbestellung, Messebesuche. Neben der Arbeit auf der Baustelle warf Sven Weber auch immer öfter einen Blick auf das Geschäftliche. Eigentlich stand es lange fest, dass er das Unternehmen seines Vaters, damals Gartencenter, heute Gala-Bau Kleinleipisch, übernehmen würde. Und doch war es so wichtig, "mal alles durchlaufen zu haben", sagt der junge Familienvater. Sein Weg führte ihn vom Handlanger zum Vorarbeiter und schließlich vor zehn Monaten offiziell zum Geschäftsführer.

Übergang dauert gut fünf Jahre

Diese Zeit müsse man für die Unternehmensnachfolge auch einplanen, bestätigt Janine Mahler von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. "Firmen machen sich zu spät Gedanken über die Nachfolge", sagt die Pressesprecherin. Von der Sensibilisierung bis zur Umsetzung vergingen fünf Jahre und mehr.

Zwar hatte Senior Bernd Weber das Glück, den Nachfolger bereits in der Familie zu haben, und trotzdem "hat der Übernahmeprozess jede Menge Nerven gekostet", gesteht Junior Sven Weber. Schließlich musste die tägliche Arbeit weitergehen. "Das Wichtigste ist, dass von beiden Seiten im Sinne der Firma gehandelt wird und persönliche Wünsche zurückgestellt werden", sagt der gelernte Maurer.

Doch längst nicht alle Alt-Unternehmer können auf einer Familiennachfolge aufbauen. Mehr als 7700 IHK-Unternehmen und 2200 Betriebe der Handwerkskammer (HWK) in Südbrandenburg werden demnächst einen Firmennachfolger benötigen - fünf Prozent mehr als noch 2014. Besonders viele Geschäftsführer von 60 Jahren und älter sind in der Dienstleistungsbranche und im Handel tätig. Unterstützung für den Generationswechsel bieten die Kammern an: "Wir begleiten auf Wunsch neutral und unabhängig den Prozess. Das reicht vom Aufzeigen möglicher Übergabevarianten und Methoden der Unternehmensbewertung, Fördermöglichkeiten bis zur Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger", erklärt Janine Mahler.

Auch für Sven Weber waren die Kammern ein wichtiger Ansprechpartner. "Ich habe durch die Beratung beispielsweise erfahren, dass ich für die Übernahme eine weitere Qualifikation benötige", sagt der 38-Jährige. Steuerberater und Bankinstitut sollten auch gut ausgewählt sein. Und dann müsse schließlich alles zwischen Übergeber und Übernehmer geklärt sein. "Es gibt natürlich hier und da verschiedene Ansichten und Generationsunterschiede. Wichtig ist, dass man immer miteinander redet und beide Parteien von vornherein alles zu einhundert Prozent offenlegen", rät er jedem Beteiligten. Gespräche mit Freunden und Bekannten seien außerdem "ganz gesund". Genau wie die Familie als Rückgrat. "Was nützt einem der beste Betrieb, wenn die Familie hinten runter fällt", sagt Weber.

Loslassen ist wichtiger Aspekt

Je näher dann der Übergabetermin rückt, umso mehr Emotionen kommen hinzu. "Das Loslassen des Altinhabers ist ein entscheidender Aspekt für eine erfolgreiche Übergabe", sagt die IHK-Pressesprecherin. Auch bei den Webers gehörten Emotionen dazu. Selbstverständlich, findet der Junior, "schließlich hat mein Vater einen Teil seines Lebens in andere Hände abgegeben". Mittlerweile aber habe sich der 64-Jährige völlig zurückgezogen. "Wir reden zwar noch über die Firma, aber er hat eingesehen, dass er mich nicht vor Fehlern bewahren kann."

Viel umgestellt hat Sven Weber in seinem Zehn-Mann-Betrieb seit der Übernahme noch nicht. Neu ist aber die Onlinepräsenz der Firma. "Gegen eine Webseite hat sich mein Vater immer gewehrt", sagt er. "Jetzt bekommen wir auch übers Internet Anfragen." Außerdem ist das Firmenbüro vom Eigenheim des Vaters erst mal in die Wohnstube des Juniors umgezogen. Weil Sven Weber mit der Übernahme positive Erfahrungen gemacht hat, denkt er jetzt durchaus schon an den nächsten Generationswechsel, verrät er. "Wenn eins meiner Kinder die Firma irgendwann übernehmen würde, wäre das schön. Wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter."

Blick nicht nur auf die Familie

Derzeit geht der Trend aber dahin, dass Kinder aus Unternehmerfamilien zunehmend eigene Wege gehen und die Nachfolge nicht als selbstverständlich ansehen. Deshalb unterstreicht Janine Mahler, dass "der Blick auch auf geeignete Mitarbeiter im eigenen Unternehmen gerichtet werden sollte, genauso wie auf Geschäftspartner, Mitbewerber, Kunden oder externe Mitarbeiter". Hauptsache selber aktiv werden, rät sie allen Senior-Unternehmern.

www.cottbus.ihk.de/unternehmensnachfolge und www.hwk-cottbus.de/nachfolge

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Bis zum Jahr 2018 stehen nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Mittelstandsforschung Bonn etwa 135 000 deutsche Unternehmen vor einer Übernahme. Hiervon sind etwa zwei Millionen Beschäftigte betroffen. Vor allem Unternehmen des Produzierenden Gewerbes und des Handels suchen Nachfolger. In der bundesweit größten und kostenfreien Unternehmensnachfolgebörse www.nexxt-change.org gibt es Orientierung auf dem Markt, alle regionalen Angebote und Nachfragen werden hier veröffentlicht.