Denn Bestrebungen, das Wort „Fach“ – wie in anderen Bundesländern bereits üblich – aus dem Titel zu bekommen, gab es an der Hochschule Lausitz (FH) mit ihren Standorten Senftenberg und Cottbus schon einige Jahre. Präsident Günter H. Schulz erklärt es mit einem kleinen Exkurs: „Die Fachhochschulen sind ein Produkt der 70er-Jahre der alten Bundesrepublik. Ihr Ziel: mehr praxisbezogene Lehre als Universitäten anzubieten.“ Die Absolventen erhielten nach acht Semestern den Diplom-Titel mit dem Zusatz (FH).

Mehr Forschungs-Kompetenz

Doch im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich einiges geändert: Immer stärker gehörte auch die Forschung zu den Aufgaben der Fachhochschul-Professoren – sie erlangten teilweise ähnliche Kompetenzen wie Universitätsprofessoren. Hinzu kam der Bologna-Prozess: die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums bis 2010 und die Einführung einheitlicher gestufter Studienabschlüsse unabhängig vom Hochschultyp. Das bedeutete, dass sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen die Diplom-Abschlüsse auf Bachelor und Master umgestellt wurden. Dies ist nun weitgehend abgeschlossen. Die Absolventen des Bachelor, des ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses, tragen an beiden Hochschul-Typen den Titel Bachelor mit dem Zusatz der Studienrichtung, beispielsweise „Bachelor of Arts“. Der Zusatz (FH) entfällt – auch beim vertiefenden Masterabschluss. „Eine Differenzierung gibt es nur darin, dass Universitäten mehr Masterstudiengänge anbieten und dass diese dort in der Regel wesentlich forschungsorientierter sind“, so Prof. Günter H. Schulz. Es gebe also eine inhaltliche Annäherung. „Und das alte Verständnis von Fachhochschule, die anfangs nur in wenigen Fächern ausbildete, ist sowieso überholt“, sagt Schulz und verweist auf die breite Aufstellung seiner Hochschule mit Fächern von Biotechnologie über Musikpädagogik bis hin zu Architektur.

Da kam den Lausitzern die Änderung des brandenburgischen Hochschulgesetzes im Dezember 2008 gerade Recht, die vorsah: „Fachhochschulen können die Bezeichnung ‚Hochschule' mit dem Zusatz ‚(FH)' verwenden“. Der Akademische Senat der Hochschule habe den Beschluss zur Umbenennung am 13. Januar getroffen und dem brandenburgischen Wissenschaftsministerium mitgeteilt. „Ein Antrag ist dafür nicht nötig“, so Holger Drews, Pressesprecher des Ministeriums. Seinen Angaben zufolge ist die Hochschule Lausitz (FH) bisher die einzige der fünf Fachhochschulen des Landes, die von dem neuen Gesetz Gebrauch gemacht hat. „Aber wir wissen, dass es der Wunsch mehrerer war.“ Denn einige Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern haben diese Regelung bereits, andere wie Berlin ziehen jetzt nach: Ab 1. April werden auch die Berliner Fachhochschulen das „Fach“ ablegen können, wie Kenneth Frisse, Pressesprecher der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, mitteilt. Allerdings fällt in Berlin auch der Zusatz (FH) weg – genau wie es in Sachsen seit dem neuen Hochschulgesetz vom 1. Januar 2009 festgeschrieben ist. Allerdings hatten die sächsischen Fachhochschulen nach Auskunft der Pressestelle des sächsischen Wissenschaftsministeriums nie das „Fach“ im Titel. So hieß die jetzige Hochschule Zittau/Görlitz beispielsweise erst Hochschule für Technik, Wirtschaft und Sozialwesen Zittau/Görlitz (FH).

Zusatz (FH) bleibt vorerst

Auch Günter H. Schulz hätte sich gewünscht, dass bei der Umbenennung der Zusatz (FH) weggefallen wäre. Denn gerade im englischsprachigen Ausland könne man damit wenig anfangen. Die seit Jahren von den Fachhochschulen zusätzlich verwendete englischsprachige Bezeichnung „University of Applied Sciences“ kennzeichnet seiner Meinung nach den Hochschultyp ausreichend.

Prof. Schulz geht es mit der Umbenennung nicht darum, eine bessere Universität zu werden oder gar die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus zu verdrängen. Die Hochschule Lausitz (FH) wolle auch mit dem neuen Namen ihr Profil – die anwendungsbezogenen Stärken und die guten Praxiskontakte – behalten. „Und die Universitäten sollen weiter der vorrangige Ort für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sein. Denn dafür sind sie viel besser ausgestattet.“ Zudem hätten die Fachhochschulen (noch) kein Promotionsrecht. Und der Zugang zu beiden Hochschultypen ist trotz Bologna mit seinen gleichwertigen Studienabschlüssen immer noch unterschiedlich: Während für die Universität die allgemeine Hochschulreife, also Abitur, notwendig sei, reiche für die Fachhochschule die Fachhochschulreife.

Laut Prof. Walther Ch. Zimmerli, Präsident der BTU Cottbus, wird sich durch den neuen Namen am Verhältnis zwischen den beiden Hochschulen nichts ändern. „Wir kooperieren bereits jetzt sehr eng“, so Zimmerli. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung und die sinkende Zahl potenzieller Studienanfänger aus der Region müsse man sehen, ob dies noch intensiviert werden kann – beispielsweise durch das Angebot gemeinsamer Studiengänge. So gebe es laut Zimmerli bereits jetzt die Verfahrenstechnik nur noch an der BTU. Und wenn man die Entwicklung der Studentenzahlen betrachtet (s. Kasten), war in den vergangenen Jahren eher die BTU der „Gewinner“. Zu verdanken hatte sie dies unter anderem der Einführung eines BWL-Studienganges, der Spitzen-Bewertung des Wirtschaftsingenieurwesens und den „Studiengebühren-Flüchtlingen“ aus anderen Bundesländern.

Eigenes Profil

Dennoch sehen sich beide Hochschulen derzeit als Einrichtungen mit eigenem Profil, die sich am Standort Cottbus ergänzen und zunehmend kooperieren. „Wir müssen beide mit unseren knappen Mitteln gute Einrichtungen hinbekommen“, so Zimmerli. Die oft angesprochene Zusammenlegung stehe derzeit nicht zur Debatte, sei außerdem eine Entscheidung des Ministeriums. Wie allerdings die Situation in einigen Jahren sei, müsse sich zeigen, betonen Schulz und Zimmerli.