Die seit 1998 regelmäßig erhobenen DAK-Daten gelten daher als repräsentativ für den gesamten Gesundheitssektor. Nicht Kaffee und Zigaretten "Wir reden hier nicht über Kaffee oder Zigaretten, sondern über den Übergang zu Tabletten und Drogen, die beruhigen oder aufputschen sollen", erläuterte DAK-Chef Herbert Rebscher gestern bei der Vorstellung der Untersuchung. Demnach wissen rund 44 Prozent der Erwerbstätigen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, dass Arzneimittel etwa zur Linderung und Behandlung von alters- und krankheitsbedingten Gedächtnisstörungen oder Depressionen auch bei Gesunden wirken können. Zwei von zehn Befragten meinten, die Stimmungsaufheller gingen in Ordnung, um beruflichen Stress und Konflikte am Arbeitsplatz besser auszuhalten. Etwa genauso viele kennen mindestens eine Person, die bereits leistungsstimulierende Mittel ohne medizinische Gründe eingenommen hat. Fünf Prozent bestätigen, sich schon einmal derartiger Medikamente bedient zu haben. Das sind rund zwei Millionen Erwerbspersonen. Knapp die Hälfte - rund 800 000 - von ihnen gibt an, sich damit regelmäßig und gezielt zu dopen. Vier von zehn in dieser Gruppe konsumieren die Arzneien täglich bis mehrmals wöchentlich. In erster Linie handelt es sich um Präparate gegen Angst, Nervosität und Unruhe. Dahinter rangieren Mittel gegen depressive Verstimmungen. Auf dem dritten Platz kommen Medikamente gegen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Dabei neigen Männer eher zu Aufputschmitteln, Frauen dagegen zu Antidepressiva. Rebscher warnte vor einer ungehemmten Einnahme solcher Medikamente. Auf lange Sicht bestehe ein hohes Sucht- und Nebenwirkungspotenzial. Obendrein lasse sich der Wunsch, immer perfekt sein zu müssen, auch nicht durch Medikamente erfüllen. Seine Empfehlung: ein betriebliches Gesundheitsmanagement und sportliche Betätigung, die ebenfalls im betrieblichen Rahmen organisiert werden könnte. Große Ärzte-Verantwortung Tatsache ist freilich, dass die "Pille gegen den Stress" immer mehr auf gesellschaftliche Akzeptanz stößt. Schließlich gibt es auch Medikamente für den Haarwuchs, gegen mangelnde Potenz oder zur Reduzierung der Falten. Nach Ansicht von Experten tragen deshalb auch die behandelnden Ärzte eine große Verantwortung. Noch sei Doping am Arbeitsplatz kein weit verbreitetes Phänomen, resümierte Rebscher. Die Studie zeige aber, dass sich Suchtprävention nicht nur auf die Felder Alkohol und Nikotin erstrecken dürfe, sondern verstärkt auf den Medikamentenmissbrauch. 11,9 Tage im Jahr krank Bei den allgemeinen Erkrankungen stehen der DAK-Studie zufolge Muskel-Skelett-Probleme wie etwa Rückenschmerzen nach wie vor an erster Stelle. Auf sie entfielen 2008 mehr als ein Fünftel aller Krankheitstage. Es folgen Erkrankungen des Atmungssystems mit einem Anteil von knapp 17 Prozent. Insgesamt sind die Krankschreibungen leicht auf 3,3 Prozent gestiegen (2007: 2,2 Prozent). Demnach fehlte ein Versicherter im Vorjahr durchschnittlich 11,9 Tage am Arbeitsplatz.