Zumindest in drei Lausitzer Wahlkreisen scheinen die Gewinner der Bundestagswahl 2009 auch vier Jahre später die Sieger zu werden. Und sie kommen alle von der CDU. So haben in den sächsischen Wahlkreisen Görlitz (157) und Bautzen I (156) die bisherigen "Platzhirsche" Michael Kretschmer und Maria Michalk einen so komfor-tablen Vorsprung (siehe Grafiken), dass die ewigen Zweitplatzierten von der Linkspartei eher auf verlorenem Posten stehen.

Trifft die Prognose zu, nimmt der Abstand zwischen Kretschmer (50 Prozent der Stimmen) und Ilja Seifert (Linke/19 Prozent) sogar um 13 Prozentpunkte zu. Auf diesen Wert würde auch Maria Michalk (49 Prozent) die Differenz zu Caren Lay (19) ausbauen. Die SPD-Direktbewerber Ingo Keßler (Bautzen I) und Thomas Jurk (Görlitz) treten mit 13 bzw. zwölf Prozent auf der Stelle.

So hat es der unabhängige Wahl-Informationsdienst election.de mit Sitz in Hamburg im Auftrag der RUNDSCHAU ermittelt. Die Berechnungen der Wahlforscher beruhen auf einem Projektionsverfahren, das 50 aktuelle Umfragen, das Stimmensplitting und die Popularität der Kandidaten vor Ort mit einbezieht. In vergangenen Wahlen seit 2001 gab election.de treffsichere Prognosen ab.

Liegt election.de richtig, dann kann in Südbrandenburgs der CDU-Kandidat Michael Stübgen seinen Wahlkreis (65 - Elbe-Elster/Oberspreewald-Lausitz II) verteidigen. Stübgen, der seit 1990 fünfmal über die Landesliste in den Bundestag einzog, hatte 2009 mit 28,9 Prozent sechs Zehntelpunkte vor André Brie (Linke) gelegen. Jetzt werden für ihn 35 Prozent und damit sechs Prozentpunkte mehr als für SPD-Kandidatin Kerstin Weide prognostiziert.

Die südbrandenburgischen Wahlkreise 62 und 64 versprechen nach Einschätzung der Hamburger Wahlforscher besondere Spannung. In Dahme-Spreewald/Teltow-Fläming III/Stadt Lübbenau (62) tritt das SPD-Urgestein Peter Danckert nicht mehr an. Dafür geht Tina Fischer ins Rennen, die sich nach den Vorhersagen mit Jana Schimke (CDU) einen Zweikampf um den begehrten direkten Einzug in den Bundestag liefern wird.

In Cottbus/Spree-Neiße (64) liefern sich den Prognosen zufolge Ulrich Freese (SPD) und Klaus-Peter Schulze (CDU) ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide kommen zurzeit auf 26, die Bewerberin der Linken, Birgit Wöllert, auf 20 Prozentpunkte. Ein Fotofinish ist hier nicht ausgeschlossen.

Neskovic - die große Unbekannte

Während die Direktkandidaten der kleineren Parteien, die bereits in Landtagen und im Bundestag vertreten sind, zurzeit allesamt im zumeist niedrigen einstelligen Bereich landen, ist Wolfgang Neskovic die große Unbekannte. Vor vier Jahren war er auf dem Ticket der Linken in Cottbus/Spree-Neiße direkt in den Bundestag eingezogen. Dieses Mal kämpft der parteilose Jurist als Einzelbewerber um das Direktmandat. Die Umfragemethode von election.de hat an dieser Stelle eine Unschärfe. Sie erfasst den Parteiunabhängigen nicht. Wie viele Wähler er gewinnen kann, dieses Geheimnis wird damit erst am Abend des 22. September gelüftet.

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