„Das Land Sachsen hat uns in diesem Jahr die finanzielle Unterstützung um 20 Prozent gekürzt“, sagte der Landesstellenleiter Olaf Rilke in einem Gespräch in Dresden. Das fehlende Geld müsse jetzt über Spenden und Sponsoren erwirtschaftet werden.
„Studien haben gezeigt, dass Drogen für Jugendliche an Bedeutung gewonnen haben“, sagte Rilke. In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil der Jugendlichen in Sachsen, die Erfahrungen mit Drogen haben, von sechs auf 24 Prozent gestiegen. Gegen diesen Trend müsse angegangen werden. „Aber Prävention kostet nun mal Geld, und die Gesellschaft ist aufgerufen, dieses Geld auch aufzubringen.“
Im Freistaat gebe es zwar weniger Drogenkonsumenten als in den alten Bundesländern, sie seien jedoch deutlich jünger, sagte Rilke. Das Durchschnittsalter in Sachsen liege bei etwa 21 Jahren, in Westdeutschland bei etwa 26 Jahren. Zu den Drogenhochburgen gehörten vor allem die städtischen Regionen. In Dresden, Chemnitz, Plauen und Zwickau werde dabei verstärkt zu Ecstasy und Amphetaminen gegriffen. „Die synthetischen Rauschmittel werden hauptsächlich in illegalen Labors in Tschechien hergestellt und landen somit zuerst in diesen nahe gelegenen Orten.“ In der Region Halle-Leipzig stehe dagegen Heroin sehr hoch im Kurs.
Aber auch legale Drogen wie Alkohol und Nikotin werden von sächsischen Jugendlichen verstärkt konsumiert. „Etwa 30 Prozent der zwölf- bis 25-Jährigen trinken regelmäßig Alkohol und 38 Prozent der Jugendlichen rauchen“, sagte der Experte.
Aus der Sicht von Rilke sollte es deshalb in jedem Landkreis eine Fachkraft für Suchtprävention geben, wie es beispielsweise in Thüringen der Fall sei. In den drei sächsischen Fachstellen arbeiten laut Rilke bislang nur acht solcher Spezialisten.“
Trotz aller finanziellen Probleme bieten die Beratungsstellen eine Reihe wichtiger Hilfeleistungen für Betroffene und deren Angehörige an, sagte Rilke. Sie seien die erste Anlaufstelle für Menschen mit generellen Suchtproblemen. „Wir klären zuerst das Ausmaß der eigenen Drogenabhängigkeit, entwickeln dann die Motivation zum Ausstieg und vermitteln dem Betroffenen Therapien.“ Ferner organisierten die Stellen Selbsthilfegruppen und Tagestreffs. (dpa/bra)