Eigentlich wollte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) auf der Großbaustelle namens "Hochschulentwicklungsplanung 2025" jetzt schon weiter sein. Aber die 14 Hochschulen im Land sind harte Verhandlungspartner. Immerhin konnte die Ministerin im März ihre eigenen Vorstellungen zum Thema präsentieren. Diese Eckpunkte sorgen seitdem an den Hochschulen für Aufregung.

Um die Wogen zu glätten, ging Stange gestern im Landtag ans Pult. Ja, die CDU-SPD-Koalition will in den nächsten Jahren die Studi-Zahlen reduzieren. Von derzeit 100 000 auf um die 95 000. Stange begründet das mit demografischer Notwendigkeit.

"Wir werden in den nächsten Jahren weniger Abiturienten haben", sagte sie. Zudem sei im Land eine heftige Debatte im Gange, ob nicht zu viele junge Leute zum Studium gehen - und zu wenige in die berufliche Ausbildung. Sachsen hat eine hohe Studierendenquote.

46 Prozent eines Abiturjahrgangs gehen an eine Hochschule. Dass das nun zu viele seien, findet die Ressortchefin für Hochschulen und Wissenschaft nicht. Aber der Bevölkerungsrückgang würde so oder so in Richtung der 95 000 weisen.

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Maicher teilt diese Ansicht nicht: "Sie streben eine Reduzierung um 10 000 Studierende an", sagte sie der Ministerin, "und das ohne Not."

Maicher monierte zudem, dass die hochschulpolitischen Vorstellungen von Schwarz-Rot eigentlich nicht mehr seien als die Abschaffung von Fächern. So soll die Hochschule Zittau/Görlitz auf das Fach Chemie verzichten, dafür aber Plätze für Pflegewissenschaft und Pflegemanagement anbieten.

An der Hochschule Mittweida sollen laut Regierungsplan die Fächer Biologie und Mathematik auslaufen. Denn beide Fächer werden als Grundlagenfächer an der TU Dresden und an der Universität Leipzig angeboten.

Auch Sprachwissenschaftler und Indogermanisten sollen in Mittweida nicht mehr ausgebildet werden.

Einen Aufschrei gab es in Juristenkreisen, als bekannt wurde, dass Stange das Fach Rechtswissenschaft in Leipzig konzentrieren will. Das bedeutet das Ende für Jura an der TU Dresden.

Zudem stellt sich das Wissenschaftsministerium Plangrößen für das Jahr 2025 für besonders wichtige Studiengänge vor. In Humanmedizin will man dann 540 Studienanfänger vorweisen können - in Zahnmedizin 120.

Beim Lehramt werden die Kapazitäten auf 2000 Plätze für Studienanfänger erhöht, um den Lehrernachwuchs zu sichern. Auch sollen weiter Pharmazeuten in Sachsen ausgebildet werden.

Die CDU will dafür Sorge tragen, dass es im neuen Hochschulplan auch ordentlich nach "MINT" riecht. Mathe und technische Fächer, betont der CDU-Abgeordnete Stephan Meyer, sollen weiterhin bei 44 Prozent gehalten werden, damit Sachsen "seinem berechtigten Anspruch als ‚Land der Ingenieure‘ gerecht" werde.