Das verantwortliche Bundesfamilienministerium hingegen erklärte, man wolle die Auswirkungen möglichst gering halten.
Rund 400 Zivildienststellen hat die AWO im Freistaat, und die jungen Leute werden hauptsächlich für zusätzliche Arbeiten in Pflegeheimen oder bei der Betreuung zu Hause eingesetzt. "Alles, was das Leben lebenswert macht, erledigen Zivis", sagt Müller. Das Standardprogramm werde auch weiter von den hauptberuflichen Pflegern erfüllt und von den Kassen bezahlt. Aber alles, was darüber hinaus geht, wie Einkaufen und mit alten Menschen Spazieren gehen, werde in Zukunft nur noch schwierig zu finanzieren seien, prognostiziert Müller.
Auch das Diakonische Werk in Sachsen, mit rund 1500 Zivi-Plätzen einer der großen Träger im Freistaat, richtet sich auf härtere Zeiten ein. "Wir werden Arbeitsabläufe optimieren müssen", sagt der Görlitzer Zivildienst-Referent Andreas Finke vorsichtig. Die Kürzungen der rot-grünen Bundesregierung bedeuteten voraussichtlich ein Minus von rund 65 Euro pro Zivi und Monat. "Gerade bei Einrichtungen, die nur einen jungen Mann beschäftigen und den auch noch aus Spenden bezahlen, könnte es ab März problematisch werden", sagt Finke.
Wie sich die Einsparungen in der Breite auswirken, darüber will er hingegen nicht spekulieren. "Ohne Rückmeldung von den einzelnen Dienststellen kann ich das nicht im Voraus abschätzen", sagt er und fügt fast entschuldigend hinzu: "Wir sind Sparen ja gewöhnt." Schlimmer als die jetzt auf die Sozialverbände zukommenden Streichungen sei die Verkürzung der Dienstzeit von zwölf auf elf Monate im vergangenen Jahr gewesen.
Im Bundesfamilienministerium zeigt man sich zuversichtlich, dass die Einschnitte keine zu großen Löcher reißen werden. "Die Sozialverbände haben zugesichert, die Auswirkungen möglichst gering zu halten", sagt Sprecherin Christine Mühlbach in Berlin. Wichtig sei, dass die Einberufungs-Kette der jungen Leute nicht abbreche. Soll heißen: Stellen dürften eigentlich nicht wegfallen, damit auch weiter eine Wehrgerechtigkeit gegeben ist und jeder Verweigerer eine Stelle bekommen kann. Zudem stecke hinter den Kürzungen kein böser Wille, sondern die allgemeine Sparauflage der Bundesregierung angesichts der am Boden liegenden Konjunktur. Die Regierung rechnet durch die Zivi-Kürzungen mit Einsparungen von rund 100 Millionen Euro allein im laufenden Jahr.
Über Streichungen von Zivildienst-Stellen sei bei der AWO noch nicht gesprochen worden, versichert Geschäftsführer Müller. Vorsichtshalber aber denkt er schon einmal laut über Alternativen nach. Man könne sich stärker auf das Freiwillige Soziale Jahr konzentrieren und dadurch junge Menschen für Pflegeberufe interessieren. Oder die Öffentlichkeit müsse stärker eingebunden werden in die sozialen Aufgaben der Zukunft.
"Ich kann ja schon einmal vorsorglich an alle appellieren, sich stärker ehrenamtlich zu engagieren, um zukünftige Versorgungslücken zu schließen", sagt Müller. Das sei wahrscheinlich ohnehin nötig, denn auch die jetzt ehrenamtlich Helfenden werden immer älter und bräuchten bald selbst Unterstützung.