Als die Umfrage im Schuljahr 2004/2005 das erste Mal durchgeführt wurde, waren es nur 0,9 Prozent der Mädchen und ein Prozent der Jungen. Auch wenn es sich dabei um relativ kleine Gruppen handelt, bestehe "Handlungsbedarf, weil sich ein Trend abzeichnet", so Tack. "Wir wissen, dass erwachsene Frauen und ältere Menschen oft medikamentenabhängig sind, deswegen wollen wir Mädchen und junge Frauen bei diesem Thema künftig besonders ansprechen." Nötig sei auch eine stärkere Sensibilisierung von Ärzten und Apothekern.

Positiv würdigte Tack, dass der Studie zufolge immer weniger Jugendliche rauchen und trinken: Während vor acht Jahren noch 31 Prozent der Jungen und Mädchen täglich rauchten, seien es heute nur noch 16 Prozent. Die Zahl der Rauschtrinker halbierte sich von 17,1 Prozent der Jungen und 7,3 Prozent der Mädchen auf 8,1 Prozent der Jungen und 4,7 Prozent der Mädchen. "Dieser Rückgang ist besonders erfreulich, weil gerade bei Jugendlichen bei frühem Alkoholkonsum die Gefahr von alkoholbedingten Störungen wächst."

Nach Ansicht der Brandenburger Landesdrogenbeauftragten Ines Weigelt-Boock gibt es bei den Jugendlichen einen Wertewandel: Während es unter den 68ern im Trend lag, zu kiffen, und Anfang der 1990er-Jahre eine Generation mit Ecstasy aufwuchs, leben die heutigen Jugendlichen eher ruhig. "Es gibt keine extensiven Rauschbedürfnisse mehr." Dazu kämen Preissteigerungen: Als vor einigen Jahren "Alkopops" verteuert wurden, habe man die Auswirkung dieser Maßnahmen unmittelbar erlebt.

Auch die Praktiker aus den Brandenburger Suchtberatungsstellen zeigten sich gegenüber der RUNDSCHAU zufrieden mit den Studienergebnissen: "Das Thema Sucht ist im öffentlichen Raum angekommen", sagt der Leiter der Suchtberatung des Vereins Tannenhof im Landkreis Dahme-Spreewald, Michael Leydecker. "Es wird breit darüber gesprochen."

Im Auftrag des Landkreises Dahme-Spreewald beschäftigt die Suchtberatung zwei Mitarbeiter, die sich speziell um die Präventionsarbeit unter Kindern und Jugendlichen kümmern. Die letzte Umfrage 2009 hatte ergeben, dass gerade in diesem Landkreis überdurchschnittlich viele Mädchen dem Alkohol zusprachen. "Wir gehen in Schulklassen und Jugendclubs und bieten Projekte speziell für diese Zielgruppe an", sagt Suchtberater Steffen Heindorf. Dass immer mehr Jugendliche Medikamente konsumierten, sei in der Beratung noch nicht angekommen: "Es braucht immer einige Zeit, bis neue Trends auch bei uns sichtbar werden." Dass Jugendliche in der Pubertät mit Alkohol oder Tabak herumexperimentieren, sei hingegen normal. "In der Pubertät geht es um Selbstfindung, das Austesten von Grenzen und die Auflehnung gegen etablierte Strukturen", so Heindorf. "Entscheidend ist dann, welches Fundament bis dahin etwa von der Familie bei den Jugendlichen gelegt worden ist, und wie stark sie in der Lage sind, das entstehende Risiko selbst einzuschätzen."

Sucht habe immer mehrere Ursachen - die Bandbreite reiche von Vorbildern in der Familie und dem Freundeskreis bis zur leichten Verfügbarkeit der Rauschmittel. "Ich frage mich wirklich, warum etwa an Tankstellen zehn Sorten Schnaps verkauft werden müssen", meint Leydecker. "Beim Autofahren braucht man das ja nun wirklich nicht."