Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wurde deutlich. In seiner Funktion als Polenbeauftragter der Bundesregierung mahnte der SPD-Politiker kürzlich an, dass noch immer zu wenige Schüler in Deutschland Polnisch lernten. Derzeit seien es nur etwa 20 000 Schüler, die die Sprache des östlichen Nachbarlands im Unterricht erlernten, kritisierte Woidke bei einem Empfang im Auswärtigen Amt. Dabei lebten in Deutschland 700 000 Polen, davon knapp 20 000 in Brandenburg, die eine große Bereicherung für Land und Wirtschaft darstellten. Doch ein Blick in die einschlägigen Schulstatistiken zeigt: Das Interesse an der Fremdsprache Polnisch stagniert auf niedrigem Niveau.

Im Land lernten im Schuljahr 2015/2016 nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg nur 1180 Kinder und Jugendliche Polnisch an der Schule. 2013/2014 waren es noch 1278, im Schuljahr 2014/2015 1164. Was also unternimmt die Regierung, um das Interesse am Polnischunterricht zu fördern? "Das Land Brandenburg hat eine besondere Verantwortung im Ausbau eines guten nachbarschaftlichen Verhältnisses, in dem Versöhnung und Verstehen zwischen Deutschen und Polen eine besondere Bedeutung einnimmt", sagt der Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums, Ralph Kotsch. Die polnische Sprache könne in Brandenburg schon heute als zweite oder dritte Fremdsprache, als Begegnungssprache oder als Wahlunterricht gewählt werden. An Europaschulen sei Polnisch als weitere erste Fremdsprache möglich. Zudem würden deutsch-polnische Schulprojekte, Schulpartnerschaften, ein Polenmobil und ein Deutsch-Polnischer Tag sowie 24 Polnisch-Arbeitsgemeinschaften im Bereich der Schulämter Frankfurt (Oder) und Cottbus finanziert.

"Dem von den Schulen angemeldeten Bedarf hat das Ministerium in vollem Umfang entsprochen", sagt Kotsch. Was im Klartext heißt: Mehr Interesse gibt es nicht. Doch trotz der politischen Ansagen Woidkes argumentiert das Bildungsministerium mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. "Die Nachfrage bestimmt die Angebote", sagt Kotsch.

"Aus Sicht des Ministeriums sind die Angebote ausreichend." Dennoch sei man bestrebt, die Angebote auszubauen, etwa durch bilinguale Unterrichtsangebote in der Region Frankfurt (Oder). Doch auch hier werde es zunächst eine Bedarfsanalyse geben.

"Das Angebot an Fremdsprachen im Land Brandenburg wird immer vielfältiger, und die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für andere Sprachen - auch in Hinblick auf ihre berufliche Perspektive", sagt Kotsch.

Der Landtagsopposition reicht das nicht. "Hier muss der Ministerpräsident mal vor der eigenen Haustüre kehren", sagte der Bildungsexperte der CDU, der Prignitzer Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann.

Brandenburg sei das Bundesland mit der längsten gemeinsamen Grenze mit Polen, dennoch sei aufseiten der Schüler und Eltern offenbar kaum der Wunsch nach Polnischunterricht vorhanden. "Es ist die ureigenste Aufgabe eines Polen-Beauftragten, die Partnerschaft mit Polen so mit Leben zu erfüllen, dass es die Menschen im Land als erstrebenswert ansehen, die Sprache unserer Nachbarn selbst zu lernen."