Die Oberschule sollte mehr Wege zum Abitur anbieten, das ohnehin immer mehr Schüler anstreben. Sachsens Schulsystem sollte durchlässiger und anschlussfähiger werden. Der Oberschul-Abgänger sollte neben dem Abiturienten als "Praxiselite" bereitstehen für anspruchsvolle Ausbildungsberufe - mit fundierter Technik-Ausbildung und zwei Fremdsprachen. Unterm Strich sollen am Ende mehr Schüler die Hochschulreife erreichen - ob auf dem direkten Weg über das Gymnasium oder indirekt über Fachoberschule oder Berufliches Gymnasium.

Soweit die Vorstellung von CDU und FDP, als sie zum Schuljahr 2013/2014 die Oberschule in Sachsen einführten. Drei Jahre später sind die Erfahrungen an den Schulen gemischt, zumindest aber ernüchtert. Dass man jetzt eine zweite Fremdsprache anbieten kann, sei "schon ein guter Schritt nach vorn", sagt Elisabeth Stiller, Leiterin der Sorbischen Oberschule "Dr. Maria Grollmuß" in Radibor. Hier ist die zweite Fremdsprache Russisch - wie an vielen Häusern. Aber mit dem Angebot ist es nicht getan, denn das wird kaum angenommen. An der Oberschule mit rund 200 Schülern finden sich pro Jahrgang oft nur zwei oder drei, sagt Stiller, die Russisch lernen wollen.

"Wenn die Eltern Nein sagen"

Dabei hatten sich die Bildungspolitiker von der zweiten Fremdsprache ab der 6. Klasse viel versprochen. Sie sollte den späteren Wechsel an ein allgemeinbildendes Gymnasium erleichtern. Ein Angebot, das es auch zu Mittelschul-Zeiten schon gab. Sieben von zehn Oberschulen bieten die zweite Fremdsprache inzwischen an - zwei Drittel der Schulen haben Französisch, ein Drittel Russisch, an einigen wenigen können auch Tschechisch und Polnisch gelernt werden. Sofern Klassen zusammenkommen, aber da hakt es oft. "Wir können werben und machen und tun, wie wir wollen", sagt Sabine Rost, Leiterin der Oberschule "Am Planetarium" in Hoyerswerda, "wenn die Eltern Nein sagen." Zumal die zweite Fremdsprache auch ein Risiko für Sitzenbleiber bedeutet. Denn da, wo sie nicht durchgehend angeboten wird, lässt sich ein Schuljahr nur schwer wiederholen.

Unterschiedlich angenommen wird an Stillers Schule auch die besondere Förderung für leistungsstarke Schüler. Diese Leistungsgruppen sind wie die Sprache ein zusätzliches Angebot, zu dem kein Schüler verpflichtet ist. In diesen Leistungsgruppen haben Schüler, die nach der 5. oder 6. Klasse ans Gymnasium wollen, zwei Stunden Unterricht extra pro Woche.

Geld für Briefköpfe und Co.

Für Leistungsgruppen und zweite Fremdsprache machte der Landtag 2013 zusätzliches Geld locker. Eine Million Euro pro Jahr fließt in diese Angebote. Was die Weiterentwicklung der Mittelschule zur Oberschule insgesamt gebracht hat, ist die Hoyerswerdaer Schulleiterin Sabine Rost nach wie vor skeptisch. Geld sei ausgegeben worden, um den Schriftzug am Gebäude und sämtliche Briefköpfe entsprechend zu ändern. Dass aber das Image der Nicht-Abiturienten in den Augen der lokalen Wirtschaft gestiegen sei, kann Rost aus der Praxis nicht berichten. Problemgruppe bleiben die Hauptschul-Abgänger, von denen noch immer viele keine passende Lehrstelle finden. "Die Wirtschaft muss sich auch mit Schulabgängern abgeben, die nicht den guten Notendurchschnitt mitbringen", sagt Sabine Rost. Zen trale Probleme sieht die Schulleiterin trotz der Oberschulreform nicht gelöst: "Wir haben zu wenig Lehrer und zu viele Seiteneinsteiger." An den Oberschulen kamen zu Schuljahresbeginn 58 Prozent der neu eingestellten Lehrer aus anderen Berufen.

Nicht klagen kann Dirk Nieter, Leiter der Bruno-Bürgel-Oberschule Weißwasser. "Für uns hat sich nicht viel geändert", sagt der 57-Jährige. Die zweite Fremdsprache wird an seinem Haus seit jeher angeboten, "aus traditionellen Gründen". Ein Viertel von Nieters knapp 400 Schülern haben Migrationshintergrund, wodurch die Neigung zu Sprachen sowieso groß.