I n der direkten Konkurrenz mit der schönen Uta von Naumburg hat die Hohe Straße von Görlitz in diesem Sommer den Kürzeren gezogen. Die Landesausstellung Sachsen-Anhalt über den „Naumburger Meister. Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen“ läuft noch bis zum 2. November. Fast 150 000 Besucher fanden den Weg in den Burgenlandkreis, die Veranstalter sind hoch zufrieden. Um Görlitz jedoch, wo bis Ende Oktober die „Via Regia. 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ zu sehen ist, ist es ruhig geworden. Zur Halbzeit Anfang August war dort die Rede von 50 000 Besuchern – eine recht dürftige Zahl gemessen an den 300 000, die bei der Eröffnung im Mai als Ziel ausgegeben worden waren. Seitdem halten sich die Veranstalter mit Zahlen zurück. Zuletzt seien 1000 Gäste pro Tag gekommen, heißt es.

Ob die Naumburger Ausstellung wirklich besser gemacht ist als die Görlitzer, darüber streiten sich die Geister. Die mittlerweile dritte sächsische Landesausstellung hat aber mit zwei Grundschwierigkeiten zu kämpfen. Sie ist zum einen im fernen Osten Sachsens für viele Besucher schwer zu erreichen. Zum anderen mussten die Ausstellungsmacher ein unglaublich weitläufiges Thema sinnlich erfahrbar machen. Dieses Thema ist 2000 Jahre alt und 4500 Kilometer lang.

Die Via Regia, die uralte Handelsstraße, die 2005 zur Europastraße erklärt wurde, bietet vielerlei Ansätze, regionale Kunstschätze einzubauen. Aber eine Straße, auf der vom Kaiser bis zum Viehtreiber 800 Jahre lang vieles kreuchte und fleuchte, ist für den Ausstellungsbesucher deutlich schwerer zu verarbeiten als eine weltbekannte Schöne aus Stein.

Da waren die Naumburger klar im Vorteil. Der namenlose Star-Architekt hat der Ausstellung ein Gesicht gegeben, das seit jeher Besucher anlockt. Das der Markgräfin Uta. Viel mehr als Uta brauchte die Naumburger Ausstellung eigentlich nicht, um zu brummen. „Wir geben endlich mal eine Antwort auf den Mythos Uta“, erklärte Ausstellungssprecherin Kerstin Wille, „darüber, was Uta so berühmt gemacht hat.“ Zusammen mit den Leihgaben aus elf Ländern, insbesondere Frankreich, und dem erstmals zugänglichen Domgarten hat das den Erfolg gebracht.

Währenddessen haben die Macher der Via Regia in Görlitz rund um den frisch sanierten Kaisertrutz immer wieder nachgebessert. Weil das Thema so weitläufig ist, findet auch jeder was zu meckern. Den einen kommt der Beitrag der sorbischen Minderheit in der Ausstellung zu kurz. Andere hätten gern mehr Kirchliches. Die Ausstellung sei zu beliebig. Bei manchen Exponaten wisse man nicht, was sie mit der Via Regia zu tun haben. Es fehle das Flair, es fehle der moderne museumspädagogische Ansatz und und und.

Auch an der Organisation gab es Kritik. Gäste, die in Naumburg nicht alle Partnermuseen an einem Tag schaffen, können mit demselben Ticket bis zum Ende der Ausstellung nochmal kommen. In Görlitz geht das nicht, hier gilt die neun Euro teure Eintrittskarte auch für alle Görlitzer Einrichtungen nur für einen Tag.

„Wir haben bewusst weniger auf Events gesetzt“, sagt Projektleiterin Bettina Probst. Sie hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass die 300 000 avisierten Besucher dem entsprechen, was der Görlitzer Kaisertrutz maximal fassen kann. Sie sei generell zufrieden mit der Ausstellung, hätte sich aber mehr Besucher aus Polen gewünscht.

Schon die Torgauer Landesausstellung „Glaube und Macht – Sachsen im Europa der Reformationszeit“ 2004 hatte mit schlechter Verkehrsanbindung zu kämpfen, brachte es aber doch am Ende a uf knapp 230 000 Besucher. Die erste Landesausstellung „Zeit und Ewigkeit“ 1998 im Kloster Marienstern in Panschwitz-Kuckau lief mit 360 000 Gästen außergewöhnlich gut.

Die Via Regia wird dahinter zurück bleiben – obwohl sie nicht weniger sehenswert ist.