In Washington zogen nach inoffiziellen Schätzungen der Polizei 10 000 bis 15 000 Menschen von der Innenstadt zum Pentagon. Dabei wurden sie mit den Sprechchören einer stattlichen Gruppe von Gegendemonstranten konfrontiert, die Unterstützung für den Irak-Kurs von US-Präsident George W. Bush und die entsandten Soldaten forderten. Unter den nach Medienberichten mehreren tausend Kriegsbefürwortern waren zahlreiche Veteranen in Uniform, die die Kriegsgegner unter anderem als "Verräter" anprangerten.
Die Kriegsgegner wurden von Cindy Sheehan angeführt, der Mutter eines im Irak getöteten US-Soldaten, die zu einer Leitfigur der US-Friedensbewegung geworden ist. In einer Rede vor der Menge bezeichnete sie Präsident George W. Bush als "Kriegsverbrecher". Mit dem Marsch, den eine sozialistische Vereinigung organisiert hatte, wurde ein ähnlicher Protestzug vor rund 40 Jahren gegen den Vietnamkrieg wiederholt. Die Teilnehmerzahl am Samstag blieb aber deutlich hinter der Aktion vom 17. Oktober 1967 zurück, was die Veranstalter mit dem schlechten Wetter erklärten.
Die Demonstranten trugen bei ihrem Marsch Plakate mit Aufschriften wie "Stoppt den Irakkrieg", "Enthebt Bush seines Amtes" und "USA raus aus dem Irak - jetzt". Die Mutter eines Irak-Soldaten hielt ein Schild mit den Worten: "Bringt meinen Sohn nach Hause - lebendig".
Bereits am Freitagabend hatten etwa 3000 Angehörige christlicher Gruppen in der Nationalen Kathedrale in Washington für Frieden gebetet. Anschließend zogen sie in dichtem Schneetreiben und bei eisiger Kälte zum Weißen Haus. Etwa 200 Protestteilnehmer, die trotz Verbots direkt auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude demonstrierten, wurden nach Medienberichten festgenommen.
Zentrum des Antikriegsprotests in Europa war Spanien. Allein dort gingen in mehreren Städten Zehntausende Menschen auf die Straße, so neben Madrid auch in Barcelona, Sevilla und Valencia. Bei der größten Demonstration in Madrid warfen die Teilnehmer den USA, Großbritannien und der damaligen spanischen Regierung von José María Aznar Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Kleinere Protestkundgebungen fanden unter anderem in Budapest, Athen, Prag und Sydney statt.
Unterdessen kamen bei einem Angriff von Aufständischen am Samstag in Bagdad laut US-Armee vier amerikanische Soldaten ums Leben. Selbstmordattentäter rissen gestern bei zwei Chlorgasanschlägen in der Umgebung der westirakischen Aufständischen-Hochburg Falludscha acht Polizisten mit in den Tod. Nach Angaben des US-Militärs mussten mindestens 350 Zivilisten sowie sechs Soldaten medizinisch behandelt werden, nachdem die beiden Selbstmordattentäter zwei Tanklastwagen mit dem Gas zur Explosion gebracht hatten. Bei weiteren Anschlägen wurden am Sonntag mindestens sechs Menschen getötet. (dpa/kr)