1826 übersiedelt Gotthold Jehmlich nach Dresden, um die alte Wagner-Orgel der Kreuzkirche zu restaurieren. 1900 wurde das veraltete Instrument durch eine moderne Jehmlich-Orgel ersetzt, die jedoch 1945 verbrannte. Die jetzige Orgel aus der Jehmlich-Werkstatt stammt von 1963. Der klanglichen Rekonstruktion schließt sich in den kommenden Monaten noch eine technische Überholung an.
Horst Jehmlich leitet den Betrieb seit 1973 in fünfter Generation. Mittlerweile hat sich das Unternehmen als Orgelbauer zum "global player" gemausert. Bereits vier große Orgeln, darunter für eine Konzerthalle und eine Kirche in Tokio, sind "Made in Dresden". Erstmals arbeitete Jehmlich auch in den USA und konnte 2002 eine Orgel für eine lutherische Kirche in Texas ausliefern. Traditionell aktiv ist Jehmlich in Ungarn, Schweden und Norwegen. Auch die Jehmlich-Orgel des Doms zu Leitmeritz (Litomerice) in Nordböhmen wurde kürzlich rekonstruiert. Erste Fühler hat der Firmenchef nach Russland ausgestreckt und bewirbt sich für die große Konzertorgel in der St. Petersburger Philharmonie.
Enttäuscht ist Jehmlich allerdings über den Förderverein Frauenkirche. Obwohl Jehmlich die frühere Silbermann-Orgel bis zu deren Zerstörung 1945 wartete, wurde der Auftrag für die neue Orgel an einen Elsässer Orgelbauer vergeben. Dennoch kann Jehmlich derzeit nicht über Auftragsmangel klagen. Die 25 Mitarbeiter stellen Orgeln jeder Größe her, vom Kleininstrument für den Hausgebrauch über Kirchenorgeln jeder Größe bis zu riesigen Konzertorgeln. 100 000 bis 400 000 Euro kostet eine Kirchenorgel, für eine große Konzertorgel muss man über eine Million Euro hinblättern.
Je nach Größe des Instruments dauert die Planung rund ein Jahr, der eigentliche Bau ein weiteres Jahr und für Montage und Intonation muss man nochmals sechs Monate rechnen. Jehmlich stellt noch fast alles selbst her. Dazu gehören auch die Orgelpfeifen. Die Metallpfeifen werden aus einer Legierung aus Zinn und Blei gegossen, die Holzpfeifen aus Nadelholz, auf Wunsch aber auch aus Birnbaum oder Eiche geschnitzt. Auch die Gehäuse und die Pulte entstehen in der Dresdner Werkstatt.
Für die Zukunft hofft Jehmlich auf den Erhalt der Firma in ihrer jetzigen Größe. Immerhin gibt es auf dem schrumpfenden Markt rund 170 Mitbewerber in Deutschland. Der skandinavische Markt wird dank strikter Vergabepraxis an einheimische Orgelbauer "schwieriger". Hoffnung setzt der Firmenchef auf die EU-Osterweiterung. Vor allem in Tschechien und Polen sieht er auf Grund seines internationalen Renommees weiterhin gute Chancen.
Hintergrund Der Orgelbau Jehmlich
 1808: Gründung des Betriebs in Neuwernsdorf im Erzgebirge durch Gotthelf, Gotthold und Gottlieb Jehmlich; 1826: Verlegung der Werkstatt durch Gotthold Jehmlich nach Dresden; 1972: Enteignung durch die DDR-Behörden, im gleichen Jahr Auslieferung von opus 1.000 an die Konzerthalle "Georg Philipp Telemann" in Magdeburg; 1973: Der heutige Firmenchef Horst Jehmlich übernimmt in fünfter Generation die Geschäftsführung; 1990: Reprivatisierung durch die Familie Jehmlich; 2001/2002: Rekonstruktion der Silbermann-Orgel in der Dresdner Hofkirche (gemeinsam mit Wegscheider).