Das Erzgebirge will hinaus in die Welt. "Wir sind froh, die erste Hürde geschafft zu haben", sagt Horst Drichelt. Er ist überzeugt, dass die sächsische Region mit der langen Bergbautradition den Sprung auf die Welterbeliste der Unesco schafft. Geht alles gut, wird die gerade vom Land abgesegnete Bewerbung im kommenden Jahr offiziell eingereicht.

Drichelt und seine Mitstreiter aus Oederan sind - wie viele andere Enthusiasten in der Region - vorbereitet. Im Miniaturpark "Klein-Erzgebirge" kann man sich auf engem Raum schon jetzt einen Überblick verschaffen, womit die Sachsen zusammen mit tschechischen Partnern in Böhmen bei der Unesco in Paris punkten wollen.

Auf 17 000 Quadratmetern lässt sich in Oederan ein Spaziergang durchs Erzgebirge unternehmen, vorbei an 210 Sehenswürdigkeiten und vielen Figuren im Miniaturformat. Burgen, Schlösser, Fachwerkhäuser, technische Denkmäler - Holzbauten nachgebildet zumeist im Maßstab 1:25. Alle wurden seit 1933 in mühevoller Kleinarbeit detailgetreu angefertigt.

Seit einiger Zeit gibt es auch eine kleine Sonderschau, die der Unesco-Bewerbung gewidmet ist. "Und die wird weiter wachsen. Wir wollen so nah wie möglich ran an die Unesco-Objektliste", sagt Park-Chef Drichelt. Gemeint ist das Verzeichnis der besonderen Stätten der Montanregion, die 2015 mit dem Welterbe-Titel geadelt werden könnten.

Ganz oben auf der Erweiterungs-Liste für die Sonderschau stehen zwei Denkmäler, die ganz eng mit dem Bergbau verbunden sind. Drichelt liegt da der Frohnauer Hammer sehr am Herzen. Ein Mini-Exemplar des historischen Hammerwerkes gibt es zwar schon im "Klein-Erzgebirge" - dennoch wird ein weiteres entstehen. "Das alte Modell soll an seinem angestammten Platz im Park bleiben", sagt Drichelt. Er möchte demnächst auch noch den Althammer Grünthal für die Sonderschau nachbauen lassen. Laut Drichelt ist der Miniaturpark der älteste seiner Art in der Welt. 1933 hatte der Vorläufer seine Tore geöffnet, ein Verein für heimatliche Volkskunst präsentierte seine Werke öffentlich. 1955 zog die Schau an ihren heutigen Standort unweit des Stadtzentrums von Oederan. An die Besucherzahlen zu DDR-Zeiten konnte das "Klein-Erzgebirge" nicht anknüpfen. "Die Konkurrenz, die uns die vielen Ausflugsziele in der Region machen, ist zu groß", sagt Geschäftsführer Drichelt. Aber die Besucherzahlen sind für Drichelt und seine Mitstreiter nicht alles. Für sie zählt auch der Spaß am Basteln, wie der Chef sagt.

Neben angestellten Modellbauern ist es der zum Park gehörende Verein, der sich regelmäßig trifft, um an alten und neuen Miniaturen zu arbeiten oder den Park auf Vordermann zu halten. Für alle ist das "Klein-Erzgebirge" auch Volkskunst. "Wir haben Tradition", sagt Drichelt. Das sehe die Unesco hoffentlich auch so.

Gleicher Meinung ist der Tourismusverein des Erzgebirges. "Wir versprechen uns von einer erfolgreichen Unesco-Bewerbung noch mehr Aufmerksamkeit für die Region", sagt Sprecherin Doreen Burgold. Zwar habe der Anteil ausländischer Gäste von 2011 zu 2012 um 6,2 Prozent zugenommen. Das sei aber noch ausbaufähig. Nun heiße es: warten. Im Miniaturpark wird derweil weitergearbeitet.

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