Mit der Eröffnungszeremonie entlang des Huangpu-Flusses, der Chinas Wirtschaftsmetropole durchquert, fällt am morgigen Freitag der Startschuss für eine Rekord-Expo. Bereits zum ersten Ausstellungstag am Samstag, dem 1. Mai, werden 600 000 Besucher erwartet. Die meisten Expo-Besucher werden aus der Volksrepublik kommen, doch die Veranstalter erwarten auch rund 3,5 Millionen ausländische Gäste. Das Motto der Weltausstellung ist mit Bedacht gewählt: In ganz China gibt es 175 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. In Schanghai, das in den vergangenen Monaten einer gigantischen Baustelle glich, leben über 20 Millionen Menschen.

Die Sicherheitsvorkehrungen stellen sogar die Olympischen Spiele in Peking vor zwei Jahren in den Schatten. Zur Expo werden rund hundert Staats- und Regierungschefs in Shanghai erwartet, an vielen Orten gleicht die Metropole bereits einer Festung. Mehr als 6000 Menschen wurden nach Angaben der Staatsmedien allein in der ersten Hälfte dieses Monats wegen Diebstahls, Prostitution, Glücksspiel oder Pornografie festgenommen. Über die Zahl der eingesetzten Polizeibeamten gibt es keine Angaben.

Während in den Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen das Gepäck der Passagiere durchleuchtet wird, haben Kontrollen auf den Straßen den Verkehr immer wieder zum Erliegen gebracht. Zugleich schlagen jedoch auch Menschenrechtsorganisationen Alarm - vor allem, seit die Regierungskritikerin Mao Hengfeng im März für 18 Monate in ein Arbeitslager verbannt wurde. Dabei wollen die Behörden die bis Ende Oktober dauernde Weltausstellung auch nutzen, um im Ausland für ihr Land zu werben. Für die Wirtschaftsmetropole sei die Expo eine gute Gelegenheit, ihr internationales Image zu verbessern, sagt der Wirtschaftsprofessor Lu Xiongwen von der Universität Schanghai.

Auch der Deutsche Pavillon widmet sich dem Leben in der Großstadt. Sein Name ,,balancity" setzt sich aus ,,Balance" und ,,City" zusammen und soll eine Stadt im Gleichgewicht bezeichnen. Wer ihn besucht, spaziert durch eine ,,Stadt der Ideen", wie die Veranstalter sagen: durch ,,unterschiedlich inszenierte Stadträume, die Themen präsentieren". Die Architekten sprechen von einem ,,spannungsvollen Wechsel von Innen- und Außenraum, von Licht und Schatten, von Gebautem und Natürlichem, von Stadt und Land".