Mit einem gezielten Schlag gegen Saddam Hussein hat am frühen Morgen der Irak-Krieg begonnen. Amerikanische Streitkräfte feuerten Marschflugkörper und Präzisionsbomben auf den vermuteten Aufenthaltsort Saddams in Bagdad. Nach Angaben des irakischen Informationsministers Mohammed Sajjid el Sahhaf hat Saddam den Angriff überlebt. Beweis sei sein Auftreten im irakischen Fernsehen.

Mit dem Befehl zu dem begrenzten Angriff wollte US-Präsident George W. Bush nach Angaben aus dem Pentagon Saddam Hussein vor Beginn des eigentlichen großen Krieges ausschalten. „Das hat offensichtlich nicht funktioniert“, sagte ein CNN-Reporter aus dem Pentagon in Washington. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte in London, der Hauptangriff werde in Kürze folgen.

Wenige Stunden nach dem ersten US-Militärschlag gegen Bagdad antwortete der Irak mit einem Raketenangriff auf den Norden von Kuwait. Dort sind fast 200000 amerikanische und britische Soldaten stationiert. Über die Zahl der abgefeuerten Flugkörper gab es unterschiedliche Berichte.

Zunächst keine weiteren Angriffe

Dem ersten Angriff folgten zunächst keine weiteren Militärschläge. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte: „Das war nur ein Warnschuss vor den Bug der irakischen Führung“ und kündigte an, der Hauptangriff werde in Kürze folgen. CNN und die israelische Zeitung „Haaretz“ meldeten den Einsatz von US-Spezialtruppen im Süden und Westen des Irak zur Vorbereitung einer Invasion bzw. zur Suche nach Scud-Raketen. Außerdem wurden US-Medienberichten zufolge militärische Anlagen und Schaltzentralen mit 40 Marschflugkörpern angegriffen.

Saddam wandte sich kurz nach Beginn des Krieges in einer Fernsehansprache an die Iraker und erklärte den „Heiligen Krieg“ gegen das „amerikanisch-zionistische Bündnis“. Nach Ansicht israelischer und US-Experten war es wahrscheinlich eine „Direktübertragung“.

Kurz nach den ersten Luftangriffen der US-Streitkräfte erklärte US-Präsident Bush in einer vierminütigen Rede an die Amerikaner: „Auf meinen Befehl hin haben die Streitkräfte der Koalition begonnen, ausgewählte Ziele von militärischem Wert anzugreifen, um Saddam Husseins Fähigkeit zu unterminieren, Krieg zu führen. Dies sind die ersten Stufen eines breit angelegten und koordinierten Feldzugs.“ Der Krieg gegen den Irak könne „länger und schwieriger sein, als einige voraussagen“ und werde „kein halbherziger Feldzug“ sein.

Nach Informationen der „Washington Post“ lagen der ersten Militäraktion Informationen des US-Geheimdienstes CIA zu Grunde. Danach soll sich Saddam Hussein in einem identifizierten Haus aufgehalten haben. Auf das Ziel wurden Marschflugkörper vom Typ Tomahawk programmiert und von sechs Schiffen im Persischen Golf und im Roten Meer abgeschossen. Tarnkappenbomber F-117A warfen ferner nach Pentagon-Angaben vier bunkerbrechende Präzisionsbomben ab. CNN berichtete, Präsident Bush habe sich zu den gezielten Attacken entschlossen, weil die Gefahr bestanden habe, eine „große Gelegenheit zu verpassen“.

Die Bundesregierung äußerte sich „mit großer Sorge und Betroffenheit“ über den Beginn des Irak-Kriegs. Zu ihrem Bedauern seien die Bemühungen um eine friedliche Konfliktlösung gescheitert. Nun müsse alles getan werden, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden.

Einstellung der Militäraktionen gefordert

Russland und China verlangten eine umgehende Einstellung der militärischen Aktionen und sprachen wie Schweden und Iran von einem Verstoß gegen internationales Recht. Der französische Präsident Jacques Chirac befürchtet „schwerwiegende Folgen“ für die Zukunft. Die Arabische Liga reagierte mit „großem Bedauern“. Japan, Polen, Bulgarien, die Niederlande und Südkorea bekräftigten dagegen ihre Unterstützung für das US-Vorgehen.

Parallel zu den Angriffen gegen den Irak begannen die USA im Südosten Afghanistan mit mehr als 1000 Soldaten eine Offensive gegen das Terrornetzwerk El Kaida und die Taliban.

Weltweit Demonstrationen

Mit Empörung über die Intervention im Irak haben indessen weltweit hunderttausende Menschen auf die Straße getrieben. Vor allem Schüler sammelten sich am Vormittag zu Demonstrationen. In Berlin kamen nach Polizeiangaben mehrere zehntausend Schüler zusammen. Bundesweit waren bis zum frühen Nachmittag über 100000 Menschen auf der Straße.

Auch in Südeuropa, vor allem in Italien und Griechenland gab es Protestzüge. Kriegsgegner in Großbritannien riefen zu „zivilem Ungehorsam“ auf. In Australien und den USA wurden Demonstranten festgenommen

Chronologie der ersten Stunden des 2. Irak-Krieges:

00.30 Uhr US-Präsident George W. Bush trifft Angriffsentscheidung

00.43 Uhr Verstärkte Aktivität amerikanischer und britischer Kampfflugzeuge in Flugverbotszone im Südirak

01.00 Uhr Der britische Premierminister Tony Blair wird von den USA über den unmittelbar bevorstehenden Angriff informiert

02.00 Uhr Ablauf des US-Ultimatums an Saddam Hussein

03.33 Uhr Erste US-Luftangriffe auf Bagdad (Ortszeit 05.33 Uhr)

03.45 Uhr US-Fernsehsender melden Explosionen in Bagdad

03.48 Uhr Weißes Haus: Entwaffnung des Irak hat begonnen

04.15 Uhr Bush kündigt in einer Rede an die Nation umfassende Angriffe an

06.30 Uhr In einer Fernsehansprache an die Iraker zeigt sich Saddam siegesicher: „Wir werden mit Gottes Hilfe siegen.“

09.57 Uhr Kuwait meldet irakische Raketenangriffe auf den Norden, die Geschosse zerschellen in unbewohntem Gebiet

Rund um die Uhr aktuelle Meldungen zum Irak-Krieg unter:

http://www.lr-online.de/nachrichten/irak/index.html