Insbesondere die politischen Verantwortungsträger, die sich keine bessere Perspektive für Guben vorstellen konnten, müssen dafür die Verantwortung tragen. Sie haben eben nicht nur über den Verkauf einer Immobilie oder die Ansiedlung eines Gewerbes entschieden, sondern sie haben sich die Sicht eines Gunther von Hagens auf den Menschen zu eigen gemacht. Diese Sicht ist gekennzeichnet von einem voyeuristischen Blick auf den menschlichen Körper. Für von Hagens wird der Leichnam eines Menschen zum anonymen Wirtschaftsgut und zum bloßen Material. Man darf ihn zersägen, zerschneiden, in unnatürlichen und bisweilen lächerlichen Posen darstellen und vor allem darf man mit ihm eigene kommerzielle Interessen befriedigen.
Als Superintendent der Evangelischen Kirche sehe ich darin eine bodenlose Respektlosigkeit gegenüber dem Leben und eine Verletzung der Würde des Menschen. Diese endet nicht mit dem Tod! Dass der Leichnam zum Objekt menschlicher Schaulust gemacht wird, ist unvereinbar mit dem Respekt, den wir auch einem toten menschlichen Körper schulden. Die Achtung vor der Würde des Menschen gebietet unbedingt einen respektvollen Umgang mit den Verstorbenen. Die politisch Verantwortlichen müssen wissen, dass in Brandenburg nicht wenige Menschen leben, für die es unerträglich ist, was in Guben geschieht.
Ferner: Es ist unerträglich, dass selbst Menschen mit hoher politischer und gesellschaftlicher Verantwortung Gunther von Hagens scheinbar wie einen Heilsbringer feiern. Welche Werte wollen sie in einer Gesellschaft, die nach tragfähigen Werten schreit, eigentlich vermitteln„ Und was ist ihnen noch "heilig"“