Insgesamt 16 498 Zusammenstößen hat das Innenministerium verzeichnet, 2015 waren es 15 969 Fälle. Die Entwicklung folgt damit dem Trend der vergangenen Jahre. Meist bliebt es bei den Unfällen beim Blechschaden, aber es gab auch dramatischere Fälle. So wurden insgesamt 203 Menschen bei einem Wildunfall verletzt, erstmals gab es auch wieder einen Toten.

"Autofahrer müssen jederzeit mit einem Wildwechsel rechnen", warnt Jan Engel, stellvertretender Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Landesbetrieb Forst Brandenburg. "Die Gefahr ist immer da. Brandenburg ist eben ein Waldland." Auch mit dem Frühlingsbeginn sei die Gefahr nicht gebannt, vielmehr würden sich die Unfälle nach der Zeitumstellung wieder mehren.

"Die Gründe für die Zunahme sind vielfältig und schwer zu definieren", findet Jan Engel und ergänzt: "Die Wildbestände, insbesondere das Schwarz- und Rotwild, sind örtlich ziemlich hoch."
Dr. Tino Erstling, Pressereferent beim Landesjagdverband Brandenburg, sieht in der Zunahme einen Zusammenhang zum steigenden Verkehrsaufkommen. "Außerdem verzeichnen wir in den Wäldern immer mehr Wildschweine", nennt der Experte einen zweiten Faktor für den Anstieg. Gründe hierfür sei neben dem Klimawandel und der dadurch bedingten geringen Frischlingssterblichkeit die veränderte Anbaustruktur in der Landwirtschaft. "Es wird mehr Mais angebaut und der liefert den Schweinen viel Energie und über weite Teile des Jahres ein gutes Versteck vor der Jagd", sagt Tino Erstling. Als weiteren Grund für die steigende Zahl der Wildunfälle sieht er die Zerschneidung der Lebensräume von Wildtieren durch das dichte Straßennetz.

"Außerdem ist in vielen Schutzgebieten die Jagd stark eingeschränkt. Eine Regulierung der Wildbestände ist dort nur sehr eingeschränkt möglich. Hier müssen die Schutzgebietsverordnungen an die Realitäten angepasst werden", so Erstling.

Auch in Sachsen ist die Zahl der Wildunfälle im vergangenen Jahr gestiegen. Allerdings deutlich weniger dramatisch: So wurden im Freistaat 2016 laut dem Statistischen Landesamt insgesamt 12 109 Wildunfälle verzeichnet, das sind 28 Fälle mehr als 2015. Bei 114 der Wildunfälle wurden Menschen verletzt, 36 von ihnen schwer. Damit ist die Zahl der Schwerverletzten zwar gesunken, dafür gab es erstmals seit vier Jahren wieder einen Toten.

Insgesamt befindet sich die Zahl der Wildunfälle auch in Sachsen weiter auf einem hohen Niveau. Vor fünf Jahren wurden nämlich 9 682 Wildunfälle verzeichnet.
Wie lassen sich Wildunfälle vermeiden? "Geschwindigkeit anpassen und auch mal nach links und rechts gucken", findet Jan Engel vom Landesbetrieb Forst Brandenburg. "Besonders in der Dämmerung und auf neu angelegten Straßen sollten Autofahrer wachsam sein."