Der Kreis der verdächtigen Personen erhöhte sich nach Raabes Angaben von 20 auf 23. Von ihnen seien 16 noch aktive Soldaten. Es gebe aber keinerlei Hinweise, dass Vorgesetzte der Soldaten von den Vorgängen Kenntnis hatten. Die bekannt gewordenen Totenschädel-Fotos seien nicht an Grab- oder Gedenkstätten entstanden.
Zu dem Bericht über angebliche Wehrmachtssymbole auf Bundeswehrfahrzeugen sagte der Ministeriumssprecher: "Wir gehen der Sache nach." Auf den im Magazin "Stern" veröffentlichten Bildern sei nicht erkennbar, ob es sich tatsächlich um ein Fahrzeug der Bundeswehr handele. Das dort abgebildete Auto sei weiß, was für Bundeswehrfahrzeuge unüblich sei. Dem "Stern" zufolge sollen Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) auf einem Wolf-Geländewagen 2001 das nachgemachte Palmensymbol von Adolf Hitlers deutschem Afrika-Korps aufgesprüht haben.
Unterdessen wurde in der SPD Kritik an der Ankündigung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung laut, bald mit dem Abzug der Bundeswehr aus Bosnien-Herzegowina zu beginnen. Der SPD-Außenexperte Gert Weisskirchen sagte der "Frankfurter Rundschau" von gestern, Jungs Ankündigung, bereits im Dezember über einen Stufenplan zum Rückzug der Bundeswehr aus Bosnien-Herzegowina zu beraten, sei ein falsches Signal, mit dem Irritation in die Region getragen werde. Es müsse zuerst mit den Betroffenen und den zivilen Aufbauhelfern geredet und geprüft werden, wie stabil die Lage tatsächlich sei. Der Einsatz in Bosnien sei "eine internationale Mission", betonte Weisskirchen. "Man kann ein multilaterales Mandat nicht unilateral abbrechen."
Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte dem Blatt, ein Abzug könne nicht nur eine nationale Entscheidung sein. Damit zu argumentieren, dass die Truppe überlastet sei, halte er ebenfalls für falsch. Dennoch äußerte sich Arnold "zuversichtlich", dass nicht nur in Bosnien-Herezegowina, sondern auch im Kosovo ein Ende des militärischen Engagements in Sicht komme. "Ich habe die Hoffnung, dass es im Kosovo erste Schritte geben kann zur Reduzierung des Mandates."
Demgegenüber verteidigte der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, die Ankündigung Jungs. Es gehe darum, die Obergrenze der Zahl der Soldaten für Bosnien zu begrenzen, sagte er dem Deutschlandradio Kultur. "Man muss nicht unnötig viele Soldaten in Bereitschaft halten, wenn wir mit weniger auskommen." Die Präsenz deutscher Soldaten in Bosnien-Herzegowina sei aber weiterhin notwendig. Noch immer gebe es dort illeglen Waffenhandel, organisierte Kriminalität, Menschenhandel und Korruption. Dies könne zu einer Situation führen, in der Soldaten als Stabilisatoren gebraucht würden. (AFP/ta)