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| 01:02 Uhr

Weitere Eskalation der Gewalt befürchtet

Bagdad.. Drei Tage vor der Wahl im Irak sind gestern bei Angriffen militanter Gruppen mindestens zwölf Iraker und zwei US-Soldaten ums Leben gekommen. In der Nähe eines Wahllokals in Samarra explodierte ein mit Sprengstoff beladenes Auto.

Dabei kamen sieben Menschen ums Leben, wie der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete. Bei Angriffen auf Straßensperren der irakischen Sicherheitskräfte in Mahmudija und Musajib südlich von Bagdad starben nach Polizeiangaben insgesamt vier Polizisten. Zwölf weitere Menschen wurden verletzt.
In Bakuba riss ein Selbstmordattentäter einen Polizeioffizier mit in den Tod. Neun Menschen, darunter drei Polizisten, wurden nach Angaben von Krankenhausärzten verletzt. Zu dem Anschlag in Bakuba tauchte auf einer Islamisten-Internetseite ein Bekennerschreiben der Terroristengruppe um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi auf.
Das US-Militär, das am Mittwoch 31 Soldaten bei einem Hubschrauberabsturz in Rutba im Westirak verloren hatte, meldete indes den Tod zweier weiterer Soldaten. US-Truppen wurden gestern in Rutba in Kämpfe mit Aufständischen verwickelt. Nach Augenzeugenberichten wurden ein Zivilist getötet und drei verletzt. Das US-Militär ging in ersten Stellungnahmen zu dem Hubschrauberabsturz nicht von einem Abschuss aus, sondern brachte ihn mit "schlechten Wetterverhältnissen" in Zusammenhang.
In der Nacht zu gestern wurde in einem Feldlager bei Bakuba ein US-Soldat getötet. Er sei Schussverletzungen erlegen, die er bei einem Rebellenangriff erlitten habe, teilte das US-Militär mit. Ein weiterer Soldat starb bei einer Attacke in Iskanderija im Süden der irakischen Hauptstadt. In Tikrit kam ein irakischer Übersetzer, der für das US-Militär arbeitete, ums Leben, als ein Sprengsatz unter seinem Wagen explodierte. In Kirkuk griffen Aufständische drei Schulen an, die als Wahllokale dienen sollen. Es entstand Sachschaden.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld warnte, die Intensität der Anschläge werde nach der Wahl gleich hoch bleiben oder sogar noch leicht zunehmen. In den Wochen nach dem Wahlgang könne es zu einer Phase der "Uneindeutigkeit und Turbulenz" kommen, da das demokratische System im Irak noch "nicht reif" sei, sagte Rumsfeld.
Auch der deutsche Experte Rolf Tophoven befürchtet eine weitere Eskalation der Gewalt. "So sehr die Wahlen zu begrüßen sind - es ist nicht davon auszugehen, dass sie den Terror eindämmen werden", sagte der Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik. Vieles spreche dafür, dass islamistische Terroristen nach dem Wahltag aus "Trotz und Frustration" weitere Attentate begehen könnten, womöglich in einem noch größeren Ausmaß als vor dem Urnengang.
Dagegen seien Anschläge auf die Wahllokale für Iraker in Deutschland "weit gehend auszuschließen", sagte Tophoven. Im Bundesgebiet sowie in weltweit 13 weiteren Ländern soll für Auslands-Iraker bereits heute die Wahl beginnen. In Deutschland hatten sich mehr als 26 000 Auslands-Iraker für die Wahl registrieren lassen.
(dpa/AFP/ab)