Von Lars Reimann

Die zahlenmäßig kleine Gruppe, die durch öffentlichkeitswirksame Aktionen auf sich aufmerksam macht, gibt sich bisher betont intellektuell und gewaltfrei. Nach RUNDSCHAU-Recherchen soll jedoch ein wichtiger Cottbuser Aktivist der „Identitären Bewegung“ (IB) der führende Kopf des gefährlichen braunen Netzwerkes sein, gegen das das Landeskriminalamt intensiv ermittelt: Anfangsverdacht gegen knapp 20 Personen: Bildung einer kriminellen Vereinigung (siehe Info-Box).

Über beschlagnahmte Handys waren die Ermittler  vor etwa einem Jahr auf eine Gruppe in der Lausitz gestoßen, die sich in einem verschlüsselten Messenger-Dienst austauschte und „Schnelle Eingreiftruppe“ nannte. Eines ihrer Ziele war laut bisherigen Ermittlungen die Bedrohung von Journalisten, aber auch wegen Körperverletzungen, Verstößen gegen das Waffengesetz und anderen Delikten wird gegen die Gruppe ermittelt.

Wie bedrohlich sie ist, zeigt ein Zwischenfall vor etwa einem Jahr. Mitglieder der Gruppe hatten damals einen Hells-Angels-Rocker mitten in Cottbus verprügelt. Eine übliche Racheaktion der Rocker auf diese Machtdemonstration blieb aus.

Als Administrator der Chat-Gruppe soll der Cottbuser IB-Aktivist fungiert haben. Der 29-Jährige studiert an der BTU Cottbus. Er war nach RUNDSCHAU-Recherchen am Anbringen von Propaganda-Transparenten an der Cottbuser Stadthalle wie auch an der Slawenburg Raddusch beteiligt. Die IB propagiert einen Kampf des „Abendlandes“ gegen einen vermeintlichen Bevölkerungsaustausch in Europa. Ihre Ideologie weist deutliche Parallelen zur „Volkstodkampagne“ auf, wie sie die verbotene rechtsextreme Widerstandsbewegung Südbrandenburg verbreitete.

Die Verbindung des IB-Aktivisten zu den anderen Beschuldigten in dem Verfahren rührt vermutlich aus seiner früheren Aktivität in der rechtsextremen Cottbuser Hooligan-Gruppe „Inferno“ her.

Die Liste derer, gegen die insgesamt ermittelt wird, zeigt in deutlicher Weise, welche alten und neuen Strukturen hier eine gefährliche Verbindung eingegangen sind. Es gibt darunter mehrere Ex-Mitglieder der verbotenen Neonazigruppe Widerstand Südbrandenburg. Außerdem sind mehrere aktive „Inferno“-Mitglieder dabei, auch ein Cottbuser, der als der aktuelle Anführer der angeblich selbst aufgelösten Gruppe gilt. Daneben finden sich rechtsextremistische Kampfsportler, die für das Team Black Legion in den Ring steigen, sowie Türsteher.

Einer der „Inferno“-Leute, gegen die ermittelt wird, hat eine lange Karriere als Gewalttäter Sport hinter sich und gute Kontakte zu den Spremberger „Gremium“-Rockern.

Zwei Beschuldigte kämpften vor Jahren für das Kickboxteam Cottbus und nahmen zusammen mit einem dritten 2011 an einer Hitler-Gedenkfahrt nach Mallorca teil. Eines der dafür bedruckten T-Shirts war bei der Razzia vor zwei Wochen gerahmt beschlagnahmt worden.

Etwa 60 elektronische Geräte und Rechner werden nun im Rahmen der Ermittlungen gegen das rechsradikale, gewaltbereite Netzwerk ausgewertet, Tausende Chatnachrichten, Fotos und Videos analysiert. Dadurch könnte vielleicht auch eine Reihe von Gewalttätigkeiten und Machtdemonstrationen der rechtsextremen Kampfsport- und Hooliganszene in Cottbus aufgeklärt werden: ein nächtlicher Fackelmarsch im Januar 2017 durch die Cottbuser Innenstadt, eine Aktion mit Ku-Klux-Klan-Mützen im August 2018, aber auch der gewalttätige Angriff auf Fans von Sparta Prag in Cottbus bei einem Freundschaftsspiel im Januar 2019 gegen den FC Energie Cottbus.