Denn die vor langer Zeit vereinbarte Begegnung, ursprünglich als ein Zeichen neuer Qualität der deutsch-polnischen Beziehungen gedacht, findet völlig unerwartet im Schatten des erneut heftigen Streits um die geplante Berliner Vertriebenen-Gedenkstätte statt.Auslöser des Wirbel ist die Besetzung des Stiftungsrates für die Gedenkstätte. Die CDU-Politikerin Steinbach soll nach dem Wunsch der Vertriebenenverbände in das Gremium einziehen, das für das Vorhaben zuständig ist. Dagegen protestieren polnische Politiker heftig. Sie werfen der BdV-Chefin vor, die deutsche Schuld für Kriegsverbrechen relativieren zu wollen.Bemühen um DeeskalationZwar bemühte sich die Regierung in Warschau am Vortag des Treffens um eine Deeskalation. Die umstrittene Personalie werde "überhaupt kein Gesprächsthema" zwischen Tusk und Merkel sein, versicherte der Direktor im Büro des Deutschlandbeauftragten Wladyslaw Bartoszewski, Krzysztof Miszczak, in Warschau. "Wir regen uns nicht auf", sagte der Deutschlandkenner. Doch die immer wiederkehrende Vertriebenen-Debatte hat das in den vergangenen anderthalb Jahren verbesserte, aber immer noch fragile Verhältnis zwischen den beiden Nachbarländern erneut beschädigt. Aufgeschreckt durch Informationen, wonach Steinbach trotz anderer Absprachen doch noch in den Rat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" einziehen könnte, hatte die Regierung in Warschau vor zehn Tagen einen heftigen Gegenangriff gestartet. Eine Berufung Steinbachs in den Stiftungsrat sei, "als ob der Vatikan den Holocaust-Leugner Bischof Williamson zum Bevollmächtigten für die Beziehungen zu Israel ernannt hätte", polterte Bartoszewski. Der 87-jährige ehemalige Auschwitz-Häftling drohte Berlin zudem mit der Absage für dieses Jahr geplanter gemeinsamer Gedenkveranstaltungen. Steinbach "kam in unser Land mit Hitler und musste mit Hitler verschwinden", sagte Außenminister Radoslaw Sikorski unter Anspielung auf ihren Geburtsort. Die BdV-Präsidentin kam 1943 in Rumia, einer während des Zweiten Weltkrieges deutsch besetzten polnischen Stadt, zur Welt. Sie sei keine Vertriebene, ihr "Papi", ein deutscher Feldwebel, habe vor der Roten Armee und den polnischen Soldaten flüchten müssen, legte Sikorski nach.Wie Miszczak hervorhob, habe Tusk nach seiner Amtsübernahme im Herbst 2007 alle umstrittenen Personen entlassen, die als Stolpersteine bei der deutsch-polnischen Annäherung galten. Jetzt sei Berlin am Zug, bemerkte Miszczak.Vor einem Jahr hatte Warschau seinen Widerstand gegen eine Berliner Dokumentationsstätte über Vertreibungen zurückgezogen. Als Gegenleistung würde Berlin dafür sorgen, dass Steinbach keine Stelle in der geplanten Einrichtung bekomme.Vorwürfe der Opposition Eine Verletzung dieses "Gentlemen's Agreements" durch Steinbachs Einzug in den Stiftungsrat wäre für Tusk ein innenpolitisches Desaster. Denn die national-konservative Opposition um die Zwillingsbrüder Lech und Jaroslaw Kaczynski wirft ihm schon seit Langem Nachgiebigkeit im Umgang mit Deutschland vor und spricht von einer "Klientenpolitik" gegenüber Berlin. Tusks "Politik des Lächelns" hätte dem Land nichts Gutes gebracht, kritisierten die Nationalkonservativen und verlangten mehr "Härte."