Rund zwei Stunden lang saß der CSU-Politiker gestern mit dem Vorstandschef von GM Europe, Carl-Peter Forster, und zwei Opel-Spitzenvertretern im Bundeswirtschaftsministerium zusammen - doppelt so lang wie geplant. Aber der von Guttenberg schon im Vorfeld geforderte Klärungsbedarf ist offenbar immer noch riesig. Man habe jetzt einige Details des Rettungskonzepts "erfahren dürfen", sagte der Minister nach dem Krisentreffen hörbar distanziert. Nun werde geprüft und bewertet. Wie lange? Darauf wollte sich Guttenberg nicht festlegen. Jedenfalls gebe es noch "keinerlei Entscheidung", versicherte er auf Nachfragen. Zur Erinnerung: Am Freitag vergangener Woche hatte Forster einen Plan vorgestellt, wonach Opel künftig als selbstständige Geschäftseinheit firmieren, aber trotzdem weiter mit GM zusammenarbeiten soll. Dieses Konzept wirft jedoch viele Fragen auf, zumal Opel von den Patenten bis zu den Entwicklungsaufträgen eng mit GM verflochten ist. Die wichtigste: Lässt sich wirklich garantieren, dass deutsches Steuergeld einheimischen Arbeitsplätzen zugutekommt und nicht an den Mutterkonzern nach Detroit fließt? Offenbar hat Guttenberg daran erhebliche Zweifel. Ebenso wie Opel ist auch GM ohne Staatshilfen kaum überlebensfähig. Ein Sanierungskonzept des Mutterkonzerns steht aus. Die Vorlage wird erst für Ende März erwartet. GM-Europa-Chef Forster erhofft sich von der größeren Eigenständigkeit Opels eine staatliche Bereitschaft zur Gewährung von 3,3 Milliarden Euro. Das Geld sollen die europäischen Staats- und Landesregierungen mit GM-Standorten aufbringen. Dazu gehören auch Belgien, Großbritannien, Schweden und Spanien. Wie hoch der deutsche Finanzanteil wäre, ist noch völlig unklar. Nach Darstellung von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm gelten für eine Gewährung von Hilfen die Spielregeln amtlicher Bürgschaftsverfahren. Dazu muss jede hilfesuchende Firma über ein Zukunftskonzept verfügen, das von einem Wirtschaftsprüfer auf seine Tragfähigkeit untersucht wird. Wilhelm wich allen Nachfragen aus, ob ein Nein zu staatlichen Opel-Hilfen vor dem Hintergrund des anstehenden Wahlkampfs denkbar sei. Die Entscheidung falle erst, "wenn wir klar bewerten können, ob hier ein zukunftsfähiges Projekt vorliegt", sagte Wilhelm. Nach Ansicht von Grünen-Fraktionsvize Christine Scheel darf der Staat nur einspringen, wenn er dafür Gegenleistungen von Opel bekommt. "Mit einem Staatskredit wäre Opel sicher schneller geholfen als mit einer Bürgschaft. Aber dafür muss der Staat auch ein Mitsprachrecht zum Beispiel bei der ökologischen Ausrichtung der Opel-Fahrzeuge erhalten", sagte Scheel der RUNDSCHAU. Bei den Regierungsparteien gehen die Meinungen zu Staatshilfen für Opel auseinander. Während sich CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla gestern skeptisch äußerte, zeigte sich SPD-Chef Franz Müntefering von der Unausweichlichkeit staatlicher Hilfen überzeugt.