Ihre sächsischen Parteifreunde scheiterten unterdessen im Dresdner Landtag damit, einen dringlichen Antrag zum drohenden Titelverlust auf die Tagesordnung zu setzen.
Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen hatte den Bau der Brücke mit Beschluss vom Dienstag angeordnet. In ihrer Begründung stellten die Richter die rechtliche Bindungskraft des Bürgerentscheids vom Februar 2005 über die der Welterbekonvention. Die Unesco will dem Elbtal den Welterbetitel aberkennen, falls der Bau entstehen sollte.
Nach Ansicht von Milbradt ist der Verlust des Welterbetitels verkraftbar. Der Brückenbau stelle zwar einen Eingriff in die Landschaft dar. Jedoch sei die innerstädtische Elbquerung, über die seit Jahrzehnten diskutiert werde, verkehrstechnisch für die Entwicklung der Stadt unabdingbar. "Hätte man sich dem Druck der Weltorganisation zulasten des Dresdner Bürgerentscheids gebeugt, wäre das ein massiver Eingriff in die deutsche Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit gewesen", sagte Milbradt. Die Entscheidungen der Unesco hätten keine rechtliche Bindungswirkung, sondern "Empfehlungscharakter".
Den Brückengegnern warf Milbradt zugleich vor, die Unesco instrumentalisiert zu haben, um den Bau zu verhindern. Die Grünen hätten am liebsten so lange abgestimmt, bis ein ihnen genehmes Ergebnis zustande gekommen wäre", sagte der Ministerpräsident. Göring-Eckardt warf Milbradt vor, nicht verstanden zu haben, "welche regionalen, nationalen und internationalen Folgen die Aberkennung des Welterbetitels hätte". Es werde nicht nur Dresden für Touristen an Attraktivität verlieren, sondern auch Deutschlands Ansehen unter diesem "fahrlässigen Verhalten" leiden. "Für Deutschland und seine Kulturlandschaft ist diese engstirnige Haltung ein Desaster", fügte Göring-Eckardt hinzu.