Marinitsch befinde sich bereits daheim bei seiner Familie, teilte ein Sprecher der Strafvollzugsbehörde gestern in Minsk mit. Die Europäische Union und die USA hatten die Verurteilung Marinitschs wegen angeblichen Diebstahls Ende 2004 als "politisch motiviert" kritisiert. Der frühere Außenhandelsminister war bei der Präsidentenwahl 2001 gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko angetreten.
Die Freilassung Marinitschs kann nach Einschätzung von Beobachtern als Versuch der weißrussischen Führung gewertet werden, nach der jüngsten Eskalation im Verhältnis zur EU wieder ein Zeichen der Annäherung zu setzen.
Weiter in Untersuchungshaft sitzt dagegen der Politiker Alexander Kosulin. Der Kandidat bei der Präsidentenwahl vom 19. März muss sich für einen Aufruf zur Erstürmung eines Gefängnisses verantworten. Dem früheren Rektor der Minsker Staatsuniversität drohen bis zu fünf Jahre Haft.
In den vergangenen Monaten hatten Anhänger der Opposition wiederholt in Minsk für die Freilassung Marinitschs sowie anderer bekannter Oppositionspolitiker demonstriert. Mehrere Regierungsgegner wie Nikolai Statkewitsch von der Sozialdemokratischen Partei wurden für Aufrufe zu Kundgebungen zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Lukaschenko hat die Gesetze in seinem Land derart verschärft, dass praktisch jegliche öffentlich geäußerte Kritik am Regime unter Strafe steht.
(dpa/kr)