Herrn "M" und Herrn "H" bekam die Öffentlichkeit nicht zu Gesicht. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Aufklärung geheimdienstlicher Aktivitäten im Anti-Terror-Kampf vernahm die beiden BND-Agenten gestern in einem streng abgeschirmten Raum des Bundestages. "M" und "H" waren jene Verbindungsleute, die während des Irak-Krieges vor fünf Jahren in Bagdad ausharrten, um brisante Informationen an die Bundesregierung zu liefern, aber eben auch an die USA. Die Opposition sieht deshalb die Anti- kriegsrhetorik der damaligen rot-grünen Bundesregierung erschüttert und fühlte sich nach der stundenlangen Vernehmung der Zeugen auch prompt bestätigt. Für die SPD stand dagegen zweifelsfrei fest, dass an die USA damals keinerlei "militärisch bedeutsame Erkenntnisse" geflossen seien. An eigenen Erkenntnissen interessiertDie Rolle des BND während des Irak-Krieges hatte die schwarz-rote Nachfolgeregierung schon 2006 in einem Bericht für den Bundestag erläutert. Demnach legte Rot-Grün großen Wert auf eine eigene Informationsgewinnung im Kriegsgebiet, weil Deutschland seinerzeit im UN-Sicherheitsrat saß und wegen des angespannten Verhältnisses zu den USA kaum mit einer umfassenden Unterrichtung aus Washington rechnen konnte. Schon um die Sicherheit der beiden BND-Agenten zu gewährleisteten, war Berlin jedoch auf Kooperation mit den USA angewiesen. Die Deutschen gaben ihre Information aus Bagdad allerdings nicht direkt an das US-Hauptquartier in Katar weiter. Vielmehr entschied letztlich ein Mitarbeiter der BND-Zentrale in Pullach, welche Erkenntnisse an die US-Seite gingen. Nach den damaligen Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), seinerzeit Kanzleramtschef unter Rot-Grün, sollte es sich dabei nur um Non Targets (keine Ziele) genannte Objekte wie Krankenhäuser, Hotels oder Botschaften handeln, um sie von US-Bomben zu verschonen. Diese Darstellung sah Hans-Christian Ströbele gestern eindeutig widerlegt. In der heißen Kriegsphase zwischen dem 20. März und dem 7. April seien von den Agenten in Bagdad "ausschließlich militärische Objekte und Koordinaten" nach Pullach gemeldet worden. Der Linken-Abgeordnete Norman Paech wies nach der Zeugenvernehmung darauf hin, dass zum "Gesamtauftrag" der deutschen Geheimen auch die Lokalisierung des Unterschlupfes von Saddam Hussein gehört habe. Unklar blieb allerdings, welche Informationen tatsächlich über Pullach an die Amerikaner nach Katar weiter geleitet wurden. In der kommenden Woche will der Ausschuss dazu jenen Mitarbeiter aus der BND-Zentrale in Pullach verhören, der die Informationen für die USA entsprechend den angeblichen Weisungen Steinmeiers "gefiltert" haben soll. Ebenso wie Ströbele geht der FDP-Obmann Max Stadler aber schon jetzt davon aus, dass nicht alle BND-Leute von Steinmeiers Order, keine kriegswichtigen Daten zu liefern, im Bilde waren. "Wenn es eine Vorgabe gab, dann war sie zu den handelnden Personen nicht vorgedrungen", erklärte Stadler. Nun gelte es, die Verantwortlichkeiten dafür zu klären. Der Ausschuss-Obmann der SPD, Michael Hartmann, hatte derweil einen gänzlich anderen Eindruck gewonnen: "Wir haben keinen Beitrag zum Krieg der USA geleistet." Da habe man "eine weiße Weste". Steinmeier vor weiterer BefragungMit der deutschen Rolle im Irak-Konflikt wird sich der Ausschuss voraussichtlich in vier weiteren Sitzungen bis zum 27. November beschäftigen. An diesem Tag könnte auch der wichtigste Zeuge Rede und Antwort stehen: Frank-Walter Steinmeier. Es wäre sein fünfter Auftritt vor dem Untersuchungsgremium, das seit rund zweieinhalb Jahren tagt.