Liszt sei bis heute in jeder Hinsicht ein europäisches Ereignis, eine „schillernde Gestalt“, sagte Bundespräsident Christian Wulff am Samstag bei einem Festakt im Deutschen Nationaltheater. „Die Kultur ist es, die Europa letztlich verbindet.“ Ihre Brückenfunktion sollte – auch bei den derzeitigen Problemen in Europa – nicht unterschätzt werden.

Der Bundespräsident bezeichnete Liszt (1811-1886) als „Auftrittskünstler“, der zu seiner Zeit die Konzerthäuser in Österreich, Italien, Frankreich, Ungarn oder Russland füllte. „Ein Pop-Phänomen geradezu.“ Er habe auch zum Rang Weimars als „Hauptstadt des deutschen Geistes“ beigetragen. Der Komponist hatte Weimar nach der Goethe-Ära zu neuer Blüte verholfen. Dort schrieb er seine wichtigsten Werke und verbrachte viele Jahre als großherzoglicher Kapellmeister.

Der Franz Liszt Ehrenpreis Weimar-Bayreuth wurde an den Dirigenten Kurt Masur (84) verliehen, der jedoch nicht nach Weimar kommen konnte. Masur habe 1970/1980 als erster Dirigent weltweit sämtliche Orchesterwerkes Liszts auf Tonträger aufgenommen, hieß es zur Begründung der Auszeichnung.

Weimars Kunstfest-Intendantin und Ururenkelin von Liszt, Nike Wagner, sagte, „wir feiern mit ihm eine Geisteshaltung und ein Kunstverständnis, das unsere Weltoffenheit herausfordert“, aber auch „unsere Integrationsfähigkeiten auf die Probe stellt“. Liszt, dem das Image eines Frauenschwarms anhing, galt als unbequemes Genie. Für Wagner charakterisiert das Wort „Grenzüberschreitung“ Liszt am besten – er habe Nationalitäten, aber auch musikalische Stile und Genres verbunden.