Am letzten Verhandlungstag vor der Weihnachtspause hat der 40-jährige Ralf Wohlleben am gestrigen Donnerstag weitere Einblicke in seine Kindheit und Jugend gegeben.

Zum Tatvorwurf soll er vom Oberlandesgericht München erst von Mitte Januar an befragt werden. Dann werden auch die schriftlichen Antworten der Hauptangeklagten Beate Zschäpe erwartet.

Wohlleben ist einer der fünf Angeklagten des Verfahrens. Die Bundesanwaltschaft hält ihm vor, die wichtigste Mordwaffe des NSU vom Typ "Ceska" organisiert zu haben. Mit dieser Pistole sollen neun der zehn NSU-Mordopfer erschossen worden sein. Laut Anklage soll er zudem eine "steuernde Zentralfigur" hinter dem NSU gewesen sein. Beides hatte Wohlleben in seiner Aussage am Mittwoch zurückgewiesen - bis dahin hatte er geschwiegen.

Das Gericht beschränkte sich gestern auf Fragen zu Wohllebens persönlichen Verhältnissen. Während der Kindheit seien seine Eltern recht streng mit ihm gewesen, sagte er. Als 17-Jähriger sei er einmal ausgerissen, und zwar zusammen mit Jungen aus seiner Clique. Auch Uwe Böhnhardt, einer der beiden späteren mutmaßlichen NSU-Mörder, sei dabei gewesen. Gemeinsam seien sie mit der Bahn von Jena nach Gera gefahren. Dort hätten sie zwei Autos gestohlen, mit denen sie bis zur deutsch-österreichischen Grenze gefahren seien. Die Autos hätten sie in einem Steinbruch abgestellt und seien dann zu Fuß nach Österreich gegangen. Dort habe die Polizei sie aufgegriffen und zurückgebracht.

Zu seinen politischen Aktivitäten als NPD-Funktionär seit den 1990er-Jahren stellte das Gericht am letzten Verhandlungstag vor der Weihnachtspause noch keine Fragen. Gleichzeitig tagte in Berlin erstmals der zweite NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Der Prozess soll am 12. Januar weitergehen.