Nach dem Terroralarm in Hannover gibt es nach Einschätzung von BKA-Chef Holger Münch keine Hinweise auf weitere konkrete Anschlagspläne in Deutschland. Dennoch stufen Münch und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Situation als potenziell gefährlich ein. "Die Bedrohungslage für Europa und auch für Deutschland ist ernst - wirklich ernst", sagte de Maizière am Mittwoch bei der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes (BKA) in Mainz.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte mit Blick auf die Terrorserie von Paris mit mindestens 129 Todesopfern, zu der sich das Netzwerk Islamischer Staat (IS) bekannt hat: "Wenn der IS uns treffen kann, wenn der IS Terroranschläge in Deutschland durchführen kann, wird er es tun. Das ist unsere große Sorge."

Brandenburg: Die Polizei hat derzeit keine konkreten Hinweise auf terroristische Gefährdungen. Das sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Rande des Landtagsplenums am Mittwoch auf Nachfrage der RUNDSCHAU. "Aber wir sind nach den Ereignissen in Hannover in besonderer Weise sensibilisiert", so Schröter. "Ängstliche Gefühle" mancher Bürger könne er nicht wegreden. "Eine hundertprozentige Sicherheit kann niemand garantieren." Besucher von Fußballspielen oder Weihnachtsmärkten sollten sich ihren Spaß nicht verderben lassen, aber "vorsichtig und wachsam" sein.

Sachsen: Auf den Weihnachtsmärkten will die Polizei im Hintergrund bleiben. "Ziel ist es, die besinnliche Adventszeit nicht durch eine zu massive Polizeipräsenz zu stören und dennoch die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, so wie es uns bereits in der Vergangenheit immer gelungen ist", sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) in Dresden. Die Sicherheitsbehörden seien aber dennoch besonders wachsam und in Bereitschaft. Laut Minister gibt es in Sachsen aktuell weiter "keine konkrete Gefahrenlage".

Hessen: Das Land wegen der abstrakten Terrorgefahr die Weihnachtsmärkte im Land besonders schützen. Die Polizei werde deutlich Präsenz zeigen, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) am Mittwoch und kündigte spezielle Schutzkonzepte mit offenen und verdeckten Maßnahmen an. "Wir müssen dafür Sorge tragen, die Sicherheit zu gewährleisten."

Thüringen: Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) kündigte unterdessen Sicherheitskonzepte und mehr Polizeipräsenz an. Weil der Charakter der Märkte aber nicht gestört werden solle, würden auch Polizisten in Zivil eingesetzt.

Bayern: Weihnachtsmärkte werden besonders beobachten. Über den berühmten Nürnberger Christkindlesmarkt sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken: "Die Kollegen sind schon alle sensibilisiert." Aber es gebe keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung.

Berlin: In der Hauptstadt betonte Innensenator Frank Henkel (CDU): "Vorsicht ist geboten, Angst wäre jedoch ein falscher Ratgeber. Wenn wir uns jetzt nicht mehr vor die Tür trauen würden, hätten die Terroristen gewonnen."

In den sozialen Netzwerken wird heiß diskutiert, ob der Weihnachtsmarktbesuch ausfallen sollte. Konsumpsychologe Stephan Grünewald vom Rheingold-Institut in Köln erwartet das aber nicht: "Weihnachtsmärkte versprechen soziale Wärme, die Menschen rücken zusammen - wie gestern im Wembley-Stadion." Nach einem Schreckensszenario sei der Wunsch groß, das Leben in vollen Zügen zu genießen. "Wir nennen das Konsum-Karneval. Shoppen ist ein probates Mittel, um zur Normalität zurückzukehren und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren", so Grünewald. Der Effekt sei auch nach Krankenhausaufenthalten zu beobachten: "Wenn man mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert wurde, möchte man das Leben in vollen Zügen genießen."

Auch an deutschen Flughäfen herrscht Nervosität. In Berlin bleiben die Sicherheitsvorkehrungen angesichts der Terrorbedrohung erhöht. Wie ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwoch sagte, werden Passagiere von Flügen von und nach Frankreich stichprobenartig kontrolliert. Beamte in Schutzwesten gehen mit Maschinenpistolen im Terminal auf Streife und schützen die Sicherheitskontrolllinien. Auf Bahnhöfen und Flughäfen in Sachsen zeigt die Polizei ebenfalls Präsenz. Es werde verstärkt auf herrenlose Gepäckstücke und auffällige Personen geachtet, hieß es bei der Bundespolizei in Pirna.

Zum Thema:
Die aktuelle Sicherheitslage wird nach Einschätzung von Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) auch Einfluss auf die Debatte um die Personalausstattung der Brandenburger Polizei haben. "Ich erwarte, dass wir das schon in den Diskussionen über den Nachtragshaushalt anfassen, um die berechtigten Sicherheitsbedürfnisse der Bürger zu befriedigen." Auf Nachfrage der RUNDSCHAU, ob es angesichts der Aufgaben der Polizei in der Flüchtlingskrise und der aktuellen Sicherheitslage demnächst eine Urlaubssperre für Polizeibeamte gebe, antwortete Schröter: "Noch nicht". Eine solche Maßnahme hänge immer von der aktuellen Lage ab. Sollte eine "ganz klare Terrorbedrohung" für Brandenburg entstehen, die sich von der jetzigen, "eher abstrakten" Gefährdung unterscheide, wäre so etwas aber denkbar.