"Ah, den Kalender hatte ich als Kind auch." Diesen Satz hört die Sächsin meist von Interessenten, die in ihrer Sammlung stöbern dürfen. Und das schwärmerische "Ahhh" wird immer länger gezogen, je mehr Blätter man als die guten Bekannten aus dem Kinderzimmer von anno dunnemals wieder erkannt hat. Und während heute Adventskalender auch schon mal mit teuren Trüffeln gefüllt sind, taten es früher fast ausschließlich bunte Bilder. Die Formate hingen nicht selten von der Größe der Papierreste ab, die aus Papiermangel dafür verwendet wurden.
Meist dominierten jahrzehntelang rechteckige Blätter mit Märchenmotiven, Weihnachtsmärkten, Backstuben und weißen Landschaften. "Rote" Kalender tauchten nur hin und wieder auf, wie beispielsweise 1970 die Landkarte der DDR. Hinter den 24 verschlossenen Türen bildete die Künstlerin regional Typisches ab. Besonders unpassend: Im Kästchen der Nummer 17 konnte man sorbische Ostereier finden. Ein Kuckucksei legten Texter auf einen Kalender aus dem Jahre 1963. Er wurde zwar vom Grafiker sehr liebevoll gestaltet und zeigt eine wuselige Weihnachtsmarktszene, die man jedoch mit Jahresabschluss-Kalender überschrieb. Er begann erst am 6. und hörte am 31. Dezember auf. "So wollte man auch noch den letzten Rest des religiösen Aspekts der Adventszeit beseitigen", bemerkt die Leiterin der Abteilung Textil- und Kunstgewerbe der Kunstsammlungen Chemnitz.
Katharina Metz selbst schenkte in den Siebzigern und Achtzigern ihren beiden Töchtern nicht nur einen, sondern jeweils gleich zwei traditionelle Weihnachtskalender, "weil sie so schön aussahen und wirklich Pfennigartikel waren. Meist kosteten sie nicht einmal eine Mark. Na und wie das so zu DDR-Zeiten war, man hob alles auf, vielleicht konnte man später noch einmal etwas gebrauchen", erinnert sich die gebürtige Augustusburgerin. Bis zur Wende stapelten sich rund 30 verschiedene Adventskalender in den Schränken. "Früher war der Kauf immer eine spannende Sache, weil jedes Jahr zehn bis 15 neue Exemplare heraus kamen."
Das änderte sich nach 1990 schlagartig. Viele Verlage mussten aufgeben, viele Schreibwarengeschäfte, in denen man die Kalender verkaufte, machten zu. "Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich hier ein abgeschlossenes übersichtliches Sammelfeld habe", denkt sie zurück. Inzwischen besitzt sie hunderte.