Dieser fehlende Rückhalt werde ihm bei nahezu jedem Truppenbesuch vom Rekruten bis zum General geschildert.

Die Gesellschaft identifiziere sich nicht gerne mit dem, was Soldatinnen und Soldaten in allen Teilen der Welt im Namen Deutschlands leisten, folgert Robbe. Seit 1995 sind bis zu 10 000 Soldaten in Auslandseinsätzen. Robbe forderte die kulturellen Eliten auf, sich mit den Aufgaben der deutschen Streitkräfte und dem Berufsprofil der Soldaten auseinanderzusetzen.

Desolate Kasernen

Robbe schildert in seinem jüngsten Bericht, dass nach wie vor in vielen Kasernen der Putz von den Wänden bröckelt, Sporteinrichtungen in desolatem Zustand sind und die Kinderbetreuung in Kasernen oder Standorten im Argen liegt. Alle Jahre wieder die gleichen Klagen. Auch die Bundeswehr leidet, trotz eilig bereitgestellter Mittel für die Infrastruktur, an der Wirtschaftskrise.

Jetzt hat Robbe jedoch eine Begebenheit registriert, mit der sich Politik und Militärs umgehend beschäftigen müssen. Im Sanitätsbereich fehlen rund 500 Ärzte, rund 100 haben allein im vorigen Jahr ihren Abschied eingereicht. Einer der Gründe: Sie sehen nur wenig berufliche Perspektiven. Schlimmer ist jedoch die Feststellung, dass viele Sanitäts-Offiziere die „innere Kündigung“ eingereicht hätten. Die Motivation der Mediziner sei „in erschreckendem Maße“ gekippt.

Fehlende Ärzte

In den renommierten Bundeswehrkrankenhäusern, die Verletzte deutsche Soldaten aus den Einsatzgebieten oder Kranke aus den Standorten versorgen, fehlt es dramatisch an Ärzten und Fachpersonal, stellt Robbe in seinem 83-seitigen Bericht fest. Gründe für diese Misere gibt es wohl viele: Das zivile Gesundheitssystem sei durch bessere Tarifbedingungen attraktiver, und die überbordende militärische Bürokratie behinderte die Arbeit.

Erneut wird auch wieder über die aus Sicht der Betroffenen zu lange Wartezeit bei Beförderungen geklagt. Auch im Unteroffiziersbereich lassen trotz einer verbesserten Einkommens-Situation Gehaltserhöhungen zu lange auf sich warten.

2008 gehörten 15 613 Frauen der Bundeswehr an. Ihr Anteil erhöhte sich innerhalb eines Jahres von 7,16 auf 8,25 Prozent – mehr als ein Drittel ist im Sanitätsbereich beschäftigt. Das „Truppenbild mit Dame“ ist an sich harmonisch, noch immer gibt es aber auch bedenkliche Vorkommnisse. 87 Mel dungen von „Übergriffen“ gingen bei Robbe ein: Da wird der Kameradin in den Schritt oder an die Brust gefasst. Und ein Bataillonskommandeur sagte, es sei schön, dass Frauen in der Bundeswehr seien, „dann haben wir jemand, der den Tisch abräumt“.