Dabei gilt ein Altvorderer der Partei, der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit, als ein Vorreiter für die City-Maut in Frankfurt. Die Zufahrtsgebühr für die Stadt sei wichtig, um mit den Einnahmen den Nahverkehr zu verbessern und zu stärken. Zudem habe der Zwangsobolus einen pädagogischen Effekt und Frankfurt müsse eine politische Vorbild-Funktion bekommen und Städten wie London, Bologna, Oslo oder Stockholm nacheifern, wo die Mautgebühr bereits zu entrichten ist. "Jede Wette, in zehn Jahren gibt es diese Maut in Frankfurt", ist sich Cohn-Bendit sicher. Seine Parteifreunde in Frankfurt sind dennoch gegen eine solche Abgabe. In der Mainmetropole mache die Zufahrtsgebühr keinen Sinn, da die Belastung durch Industrie und drei Autobahnen im Stadtgebiet zu hoch sei, um die Abgasproblematik auf diesem Weg zu lösen, argumentieren die Grünen. Unterstützt werden die Grünen von ihre m Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour. Der gebürtige Frankfurter hatte zwar den von der Bundespartei formulierten Antrag zur Einführung einer City-Maut selbst formuliert, sagt aber: "In München und Stuttgart ist die City-Maut geeignet, in Frankfurt nicht."
Befürworter der Mautgebühr sehen in der Haltung der Grünen jedoch eher ein Zugeständnis an die schwarz-grüne Koalition im Römer. Die CDU ist wie die FDP gegen eine Zufahrtsgebühr für die Stadt. Eines der Argumente: Der Frankfurter Einzelhandel würde unter diesen Zufahrtskosten leiden, solange es im Umland kostenlose Parkplätze bei Geschäften auf der grünen Wiese gibt.
Um dieses Argument zu entkräften, favorisiert OB-Kandidat Franz Frey (SPD) eine Modifizierung der Zufahrtsgebühr: die Pendler-Maut. Denn im Verhältnis zur Einwohnerzahl der Stadt habe Frankfurt mit die größte Zahl an täglichen Einpendlern. Von den etwa 300 000 auswärtigen Berufstätigen nutzen nach Freys Rechnung knapp 200 000 Menschen das Auto. Die Autofahrer von außerhalb sollen daher täglich von montags bis freitags zwischen sieben und neun Uhr einen Obolus von ein bis zwei Euro für die Fahrt in die Innenstadt entrichten.
Der ehemalige Sozialdezernent der Stadt hält die Argumentation der Grünen für vorgeschoben. "Die Feinstaubbelastung lässt sich durch eine Mautgebühr natürlich nicht vollständig senken, aber sie bedeutet für die Bürger Frankfurts trotzdem weniger Lärm, weniger Parkdruck und mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr", hält Frey dagegen. Ein zweistelliger Millionenbetrag, so seine Schätzung, könne durch die Pendler-Maut dann zweckgebunden in den öffentlichen Nahverkehr fließen. Erhoben werden könne die Gebühr am schnellsten und unproblematischsten durch eine Vignette.
Die Anwohner der Friedberger Landstraße haben derweil eine andere Lösung ins Auge gefasst. Sie wollen für die vierspurige Verkehrsader nur noch einen Fahrstreifen in jede Richtung, um die Anzahl der einfahrenden Autos zu verringern. Einen entsprechenden Antrag beschloss der Ortsbeirat im Nord end Ende November. Jetzt soll der gewagte Vorstoß dem Magistrat vorgelegt werden.