„Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zum Pflichtfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER), sondern als Alternative zum freiwilligen Religionsunterricht der Kirchen“ , sagt der Leiter des Landesinstituts für Humanistische Lebenskunde, Volker Müller.

Integrierter Werteunterricht
Lebenskunde solle es zunächst an etwa zehn Grundschulen im Berliner „Speckgürtel“ geben und ausdrücklich nicht dort, wo LER im Angebot ist. „Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass die Kinder einen integrierten Werteunterricht haben, unabhängig von Religion und Weltanschauung“ , betonte Müller. Das freiwillige Fach Lebenskunde folge dagegen dem humanistischen Grundbekenntnis. „Wir haben nur ein Leben, das wir zu gestalten haben. Dabei spielt das Toleranzgebot eine ganz herausragende Rolle.“
Das Fach Lebenskunde möchte laut Müller nichtreligiösen Kindern und Jugendlichen aus weltlicher Lebenssicht heraus Orientierungshilfen geben und zur Wertevermittlung beitragen. „Inhaltlich geht es etwa darum, wie sich die Kinder als Individuum in der Gesellschaft sehen, wie sie mit Stärken und Schwächen umgehen, aber auch Feste unterschiedlichster Religionen sollen behandelt werden.“ Der Einführung des Faches Lebenskunde in der Mark war ein rechtlicher Streit vorausgegangen.
Nach einer Klage des Humanistischen Verbandes hatte schließlich vor rund einem Jahr das Landesverfassungsgericht entschieden, dass das gesetzliche Privileg der Kirchen und Religionsgemeinschaften, an Brandenburgs Schulen Werteunterricht zu erteilen, verfassungswidrig ist. Dieses Recht müsse künftig auch Weltanschauungsgemeinschaften zustehen. Nach der Verabschiedung des neuen Schulgesetzes mit einem entsprechenden Passus rechnet Müller „in Kürze mit der formellen Zulassung des Lebenskunde-Unterrichts“ .

Klärung von Details notwendig
Aus dem zuständigen Bildungsministerium hieß es allerdings, das Angebot werde es wegen der noch ausstehenden Klärung von Details wohl erst zum Schuljahr 2007/2008 geben. Laut Müller kommt der Verband mit seinem Angebot den Wünschen zahlreicher Eltern nach, die dabei auch auf dieses Fach in Berlin verwiesen. „In der Hauptstadt gibt es bereits seit 1983 Lebenskunde-Unterricht - mit steigendem Interesse.“ Daran nähmen gegenwärtig rund 42 000 Schüler teil.