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Wasserwerfer gegen Linke

Bei einem Aufmarsch von Neonazis in Leipzig ist es gestern zu zum Teil gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei, Rechten und Gegendemonstranten gekommen. Von Tino Moritz <br> und Matthias Hasberg

Um den Weg für die rund 800 Anhänger des Hamburger Rechtsextremisten Christian Worch freizuräumen, ging die Polizei am Nachmittag mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas gegen die linken Protestierer vor. Im weiteren Verlauf der Demonstration bewarfen die Neonazis dann die Gegendemonstranten mit Steinen, woraufhin die Polizei mit Schlagstöcken einschritt. Im Leipziger Süden gingen am Nachmittag Müllcontainer und Barrikaden in Flammen auf.
Bis zum frühen Abend wurden laut Polizei zwei Personen festgenommen und 46 in Gewahrsam genommen. Die meisten von ihnen seien dem linken Spektrum zuzuordnen, sagte ein Polizeisprecher. Insgesamt hätten rund 4000 Demonstranten versucht, den Neonazi-Aufmarsch zu stoppen.
Nach Angaben der Stadt waren rund 2500 Polizeibeamte im Einsatz. Das Großaufgebot konnte Zusammenstöße zwischen den Rechtsextremisten und linken Gruppen aus der autonomen Szene weit gehend verhindern. Worch konnte jedoch wegen der großen Zahl der Gegendemonstranten und der zahlreichen Störungen sein ursprüngliches Marschziel, den linksalternativen Stadtteil Connewitz im Süden von Leipzig, nicht erreichen.
Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte am Nachmittag, es sei "unerträglich", dass sich Rechte aus ganz Deutschland in der friedlichen Stadt Leipzig versammelten. Er fügte hinzu, es komme darauf an, den Rechten auch im Alltag entschlossen entgegenzutreten. Am Samstagabend hatten bei einem Open-Air-Konzert Tausende vor dem Völkerschlachtdenkmal gegen Rassismus und Gewalt demonstriert.