Professor Siegfried Rolle ist ein ausgewiesener Fachmann, wenn es um die Energieversorgung der Zukunft geht. Der Wissenschaftler ist Sprecher des Studienganges "Physikalische Technik" an der Technischen Hochschule in Wildau (Dahme-Spreewald). Seit vielen Jahren forschen und arbeiten Rolle und sein Team bereits an der Weiterentwicklung der Solar- oder Erdwärmetechnik. Und der Physikprofessor ist ein großer Fan der Brennstoffzellen-Technologie, über die seit Jahrzehnten zwar viel geredet und geschrieben wird, großflächige Anwendungen aber gibt es in Deutschland bisher kaum. Das wird sich in diesem Jahr ändern.

Die Wildauer Fachleute haben die wissenschaftliche Begleitung eines bemerkenswerten Vorhabens der Brandenburger Polizei übernommen. Mit Brennstoffzellen soll in den kommenden Monaten das neuinstallierte Digitalfunknetz der Ordnungshüter, das auch Feuerwehren, Rettungsdienste und Katastrophenschützer nutzen, krisenfest gemacht werden. Wo früher ratternde und störanfällige Diesel-Aggregate automatisch anspringen mussten, wenn der Strom ausfiel, sollen künftig Brennstoffzellen den Notstrom für die Digitalfunkmasten liefern.

Erste Überlegungen schon 2008

Ein Brennstoffzellen-Projekt dieser Dimension gibt es in Deutschland bisher nicht. "Die Polizei in Niedersachsen arbeitet an einigen wenigen Funkstandorten mit der Technik", weiß Sascha-Wolfgang Baltruschat. Er ist Arbeitsgruppenleiter beim Zentraldienst der Brandenburger Polizei und arbeitet seit Jahren an der Vorbereitung des Projektes. "Erste konkrete Überlegungen gab es bei uns dazu schon im Jahr 2008. So ein großes Vorhaben braucht einige Vorbereitungszeit", sagt Baltruschat. Bei der Anschaffung seien die Brennstoffzellen zunächst etwas teurer als herkömmliche Diesel-Aggregate. Doch in Bezug auf die Zuverlässigkeit und die notwendige Wartung erhoffen sich die "Beschaffer" vom Zentraldienst der Polizei künftig Einsparungen. "An den Brennstoffzellen-Anlagen gibt es kaum mechanische Teile, die sich durch langen Stillstand ,kaputtstehen‘ können."

"Treibstoff" der Brennstoffzellen ist reiner Wasserstoff. In der Zelle reagiert er mit dem Sauerstoff der Luft. Dabei entstehen elektrischer Strom, Wärme und Wasser. Das große Geheimnis der Zelle liegt dabei in einer mit Platin beschichteten Membran. Sie verhindert, dass sich Wasserstoff und Sauerstoff durch eine Knallgasreaktion unkontrolliert verbinden. Die Membran erlaubt lediglich den Austausch elektrisch geladener Teilchen, die letztlich den elektrischen Stromfluss erzeugen. "Die Technologie ist seit Langem bekannt und absolut beherrschbar", sagt Professor Siegfried Rolle.

Derzeit läuft der Einbau der Brennstoffzellen an den insgesamt 116 Funkmasten in ganz Brandenburg. Bis zum Jahresende soll er abgeschlossen sein. Drei Firmen aus Wildau, Berlin und Süddeutschland hatten den Zuschlag erhalten. "Die Technik kommt zum Großteil aber aus dem Ausland", sagt Siegfried Rollen. "116 Brennstoffzellen, das wäre wahrscheinlich eine ganze Jahresproduktion der deutschen Brennstoffzellen-Hersteller."

Der Wildauer Professor und sein Team begleiten das Brennstoffzellenprojekt mit einer Langzeitstudie. Sie untersuchen die Zuverlässigkeit der Zellen zwei Jahre lang unter praktischen Einsatzbedingungen. Gleichzeitig sollen die Wildauer ein Service- und Logistik-Konzept für die Wartung der neuen Technik erarbeiten. Dazu werden beispielsweise einzelne Stromausfälle simuliert und die Brennstoffzellen im längerfristigen Betrieb getestet.

Neben einer kleinen Versuchsanlage im Labor der "Physikalischen Technik" wird derzeit auf dem Hochschulgelände in Wildau eine Original-Brennstoffzellen-Testanlage aufgebaut, wie sie an den Polizeifunkmasten zum Einsatz kommt. Dort können sich interessierte Behörden, Firmen und Einrichtungen künftig über die Zukunftstechnologie informieren. Die Wissenschaftler wollen in den kommenden Monaten spezielle Workshops dazu anbieten.