Leichten Fußes laufen die Kleinen über die Wiese, immer in der Nähe des Wasserlochs. Eine Amme geht gemächlich neben ihnen her, behält sie im Auge. Zwei der vier jungen Wasserbüffel sind gerade einmal eine Woche alt, die anderen vier. Erst am Mittwoch wurde wieder ein kleiner Büffel geboren. Und demnächst gibt es erneut Nachwuchs, "denn drei Kühe sind noch trächtig", weiß Geschäftsführer Rolf Hahndorf zu berichten.
Mit seinem Jeep fährt Hahndorf über die sechs bis sieben Hektar große Weidefläche. Die Wasserbüffel scheint das nicht aus der Ruhe zu bringen, lediglich ein paar drehen sich zu ihm um. Ein Tier kommt zum Wagen heran, streckt neugierig den Kopf zum offenen Fenster herein. Nur ein Büffel lässt, einige Meter entfernt, ein tiefes Knurren erklingen - ähnlich dem Muhen einer Kuh. „Dem passt wohl etwas nicht“ , sagt Hahndorf.

Jetzt als Nutztier anerkannt
Seit Oktober 2002 werden bereits Wasserbüffel in der Schradenfrucht GmbH gehalten. Eher selten sind diese Tiere in dieser Region zu finden. Die nächsten registrierten gibt es erst in Chemnitz und Jüterbog. Über das EU-Förderprogramm „Leader plus“ hatte der Betrieb damals rund 12 000 Euro bewilligt bekommen, um einen stabilen Bestand an Tieren aufzubauen. Seit diesem Jahr ist der Wasserbüffel übrigens als Nutztier anerkannt. Nun klappt die Nachzucht auch vor Ort. In diesem Jahr ist es bereits das dritte Mal, das Jungtiere in Gröden geboren wurden. Erst wenn die weiblichen Tiere ein gewisses Gewicht haben, kommen sie für die Zucht infrage. Daher werden sie im zeitigen Frühjahr von der Mutter getrennt und kommen in den Stall, wo sie ein Jahr lang aufgepeppelt werden. Auf die Idee mit den eher untypischen Tieren ist man gekommen, da die Flächen in Gröden über eine ausgeprägte Grundfeuchte verfügen und häufig überschwemmt werden. Dadurch wachsen dort vor allem Binsen, die Rinder nicht fressen, Wasserbüffel dagegen schon. „Man muss da aber schon Realist sein“ , erklärt der Geschäftsführer. „Das Tier frisst, was ihm schmeckt. Sie nehmen erst einmal alles rundherum. Total vernichtet werden die Binsen also nicht.“ Doch im Sommer wird nicht zugefüttert und so müssen die Büffel mit dem zurechtkommen, was sie auf der Weide finden.
Was dagegen gut anläuft, ist die Fleischerzeugung. „So langsam kommt die Nachfrage“ , weiß Rolf Hahndorf zu berichten. Die ersten Tiere wurden bereits geschlachtet. Die Vorräte, die in der GmbH oder in den Verkaufsstellen der Hirschfeld Agrar GmbH lagern, neigen sich dem Ende zu. Roastbeef, Salami, Leberwurst, Braten oder auch Schinken wurde zum Beispiel daraus hergestellt, die Verarbeitung übernahm die Hirschfelder GmbH. „Zu Beginn haben wir in Zwickau geschlachtet, weil hier die Bedingungen dafür nicht gegeben waren“ , sagt Hahndorf. Denn nach dem Schlachten müsse das Fleisch für drei Wochen in einem Reiferaum aushängen - wo nicht ständig jemand ein- und ausgehe -, damit das Fleisch seine Qualität erhält. Probiert hat der Geschäftsführer das Fleisch der Büffel natürlich schon selbst: „Es geht ein bisschen in die Wildrichtung.“ Die nächste Schlachtung steht für Oktober/November an. Auch die Direktvermarktung der Produkte läuft, auf Messen oder regionalen Verkostungen präsentiert sich die Schradenfrucht GmbH damit. Sogar eine Gaststätte wird bereits beliefert. „Was wir derzeit noch suchen, sind Wiederverkäufer, zum Beispiel aus dem Catering-Bereich“ , sagt Rolf Hahndorf. Derzeit beschränkt sich der Betrieb auf die Fleischproduktion, auch wenn immer wieder die Frage nach Büffelmilch käme: „Man kann nicht alles auf einmal machen. Die technischen und baulichen Voraussetzungen sind dafür derzeit nicht gegeben und wir können ja aus hygienischen Gründen nicht mitten auf der Weide anfangen zu melken.“

"Platz haben wir genug"
Inzwischen ist vor dem Areal der Tiere eine Schautafel errichtet worden, auch ein Rastplatz ist dort zu finden. Ein Großteil des Geländes ist bereits eingezäunt, weitere zwölf Hektar sollen folgen. Manchmal kommen auch Schulklassen aus der Region vorbei, denen Hahndorf dann gern Rede und Antwort über die Tiere steht. Derzeit wird außerdem eine Internetseite aufgebaut. Wie viele Wasserbüffel es in Schraden noch werden sollen? Da ist Hahndorf flexibel: „Platz haben wir genug.“ Allerdings seien die Unterbringungsmöglichkeiten in den Ställen eher beschränkt. Denn man wolle die Tiere ja nicht immer im Winter draußen lassen, auch wenn sie mit der Kälte gut zurechtkämen.