Es ist nur so ein Gefühl. Wer im Sommer auf den Fließen im Spreewald beispielsweise mit einem Paddelboot unterwegs ist, merkt, dass es in der Lagunenlandschaft zeitweise ziemlich eng werden kann. Immer mehr Erholungsuchende zieht es offenbar aufs Wasser. In kleinen Booten, mit oder ohne Gepäck sind ganze Familien auf Tour. Solche Beobachtungen sind Teil eines Trends, der sich allem Anschein nach inzwischen in weiten Teilen des riesigen Landes Brandenburg entwickelt.

Die Bedingungen sind ideal. Seit Langem schon sind die Wassersportreviere in und um Berlin ein Anziehungspunkt für Freizeitkapitäne mit ihren Booten und Schiffen aller Klassen. Aber seit einiger Zeit zieht es die "Wasserratten" trotz Spreewald-Paddler-Wochenendstau immer mehr in die naturnahe Brandenburger Provinz. Ein entscheidender Grund dafür ist die Tatsache, dass mittlerweile auch die riesigen Wasserflächen im Lausitzer Seenland immer mehr aussehen wie richtige Seen. Mit ihrem Wachsen wird selbst der Nordosten des Freistaates Sachsen zum interessanten Wassersportrevier. Der Tourismusverband Lausitzer Seenland meldet beispielsweise im Jahr 2013 schon 507 450 Übernachtungen. Dabei blieben die Gäste durchschnittlich 3,2 Tage. Um den Trend einordnen zu können, haben die Industrie- und Handelskammern aus Brandenburg und Berlin erstmals eine Studie in Auftrag gegeben. Sie soll untersuchen, wie sich Wassertouristik und Wassersport wirtschaftlich auf die Regionen auswirken.

Um das herauszufinden, wurde das Berliner Büro "Projekt M" mit der Studie beauftragt. Dessen Geschäftsführer Matthias Wedepohl hat jetzt erste Zwischenergebnisse der Untersuchungen vorgestellt. Zwar fehlen noch immer die harten Zahlen. Die sollen erst im Frühjahr vorgelegt werden. Noch wollen die Experten touristische Aqua-Anbieter in Berlin und Brandenburg mit intensiven Tiefeninterviews zu ihren genauen Geschäftszahlen löchern. Doch schon jetzt belegen die Zwischenergebnisse einige bemerkenswerte Trends.

Der Wassertourismus in Berlin-Brandenburg ist weiter kräftig auf Wachstumskurs. Immerhin 60 Prozent der Charterbetriebe und sogar 70 Prozent der Kanuvermieter erwarten in den nächsten fünf Jahren eine weitere Nachfragesteigerung von Touristen für ihren Betrieb. Eine ähnlich eindeutige Einschätzung kommt auch von den Hafen- und Fahrgastschifffahrtsbetreibern. Die positiven Erwartungen zeigen sich auch in der hohen Investitionsbereitschaft. So haben zwei Drittel aller Kanuvermieter und sogar drei Viertel aller Charterbetriebe angekündigt, in den nächsten fünf Jahren zusätzlich zu den Ersatzinvestitionen ihre Bootsflotte zu erweitern.

Befragt hatten die Experten von "Projekt M" immerhin fast 200 Anbieter der unterschiedlichsten Kategorien.

Besonders dynamisch ist die Entwicklung im Bereich der Hausboote. "In diesem Segment werden immer neue Bootstypen aufs Wasser gebracht", sagt Matthias Wedepohl. Bemerkenswert sei dort die Entwicklung bei den Flößen, bei denen es nicht um Sport, sondern vor allem den Komfort und den Erholungswert beispielsweise für Familien gehe.

Aus wirtschaftlicher Sicht besonders interessant ist die Tatsache, dass fast alle der an der Umfrage beteiligten Anbieter ihren Firmensitz in Berlin oder Brandenburg haben. Das bedeutet, dass beide Länder im hohen Maße vom Steueraufkommen der Unternehmen profitieren.

Auch bisherige und künftige Investitionen kommen der Region wirtschaftlich zugute. So haben die Experten festgestellt, dass die Hälfte der Bootsvermieter ihre Flotte in Berlin-Brandenburg gekauft haben. Und nicht nur Bootsverkäufer und -ausrüster haben profitiert. Selbst einheimische Planer und Bauunternehmer konnten am Ausbau der Infrastruktur gut verdienen. Immerhin 95 Prozent der in diesem Bereich getätigten Investitionen, beispielsweise für Häfen und andere Anlagen, sind an Firmen aus der Region geflossen.

Für einige Überraschung bei den Experten von "Projekt M" sorgte die Erkenntnis, dass mehr als ein Viertel aller privaten Boote, die in den Berliner und Brandenburger Häfen liegen, Freizeitkapitänen aus anderen Bundesländern, vor allem in Westdeutschland gehören. Das bringe zusätzliche Kaufkraft in die Region.

Wie viel Geld die Wassertouristik-Branche am Ende tatsächlich nach Berlin und Brandenburg spült, wird erst im Frühjahr klar, wenn die aktuelle Studie abgeschlossen ist.

Fest steht aber schon jetzt, dass trotz der positiven Aussichten vor allem in den Berlin ferneren Regionen noch weiter am Ausbau der Infrastruktur gearbeitet werden muss. Noch mäkeln die Wassertouristen auch im Seenland über zu wenige andere Freizeitangebote rund um die Seen.