Mehrere zehntausend Menschen aus aller Welt haben in den vergangenen Tagen in Mexiko-Stadt über das Wasser diskutiert. 13 000 Teilnehmer besuchten allein das IV. Welt was ser fo rum. Zehntausende demonstrierten in den Straßen der Megastadt und besuchten alternative Veranstaltungen zum Wasser, das in den meist armen Regionen der Welt zu einer Mangelware geworden ist. Dabei herrscht allgemein Konsens darüber, dass das Wasser ein Menschenrecht sei und dass niemandem der Zugang zu diesem Gut verwehrt werden dürfe.

Trockenheit und Überschwemmungen
Doch die Realität ist eine andere: Über eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zum Trinkwasser, täglich sterben nach Angaben von UN-Generalsekretär Kofi Annan 6000 Men schen, darunter 4000 Kinder, weil sie verschmutztes Wasser getrunken haben. Der Konferenzort Mexiko war aus mehreren Gründen dieses Mal sehr gut ausgesucht: Die Stadt wurde in einem See gebaut, der inzwischen vollständig verschwunden ist, weil die Bevölkerungsexplosion im Hochtal von Mexiko im Laufe der Jahrhunderte die Wasserressourcen einfach verbraucht hat.
Hunderttausende von Einwohnern der armen Stadtteile leiden heute kontinuierlich unter Wassermangel. In der Trockenzeit sind sie wochenlang auf die Belieferung aus Tankwagen angewiesen. Bis vor Kurzem stapelten sich Tag für Tag vor der Vertretung des Bundesstaates Chiapas mehrere tausend Wasserflaschen für die Not leidende Bevölkerung des südlichsten mexikanischen Bundesstaates. Dort war die Wasserversorgung nach einem Hochwasser im vergangenen Oktober zusammengebrochen. Gleichzeitig litten in jener Zeit die Wüstengebiete des Nordens unter Trockenheit, weil es dort monatelang nicht geregnet hatte.
Symptomatisch für die Lage weltweit ist die Haltung der mexikanischen Regierung. Seit einem Jahr bereitete sie die Öffentlichkeit auf das Forum und die Wasserproblematik vor: In einem fast täglich ausgestrahlten Fernsehspot sprach sich Präsident Vicente Fox dafür aus, dass trinkbares Wasser vor allem auch der armen Indio-Bevölkerung zugänglich gemacht werden müsse. Und mit den Worten: "Wir wissen, dass der Zugang zu sauberem Wasser eine fundamentale Voraussetzung zu Bekämpfung der Armut ist", eröffnete er das Forum. Die Probleme sind also seit Langem bekannt, doch geändert hat sich nichts oder nur wenig.
Mexiko mit seinen Ölvorräten ist wohlhabend und kann sich selbst helfen. Die meisten afrikanischen Staaten können das nicht. Unep-Chef Klaus Töpfer hatte bereits vor Beginn der Tagung eindringlich vor zukünftigen Kriegen um den Rohstoff Wasser gewarnt. Sein designierter Nachfolger, Achim Steiner, forderte rasche Maßnahmen der reichen Welt zur Hilfe der wasserarmen Regionen, vor allem in Afrika, weil es sonst zu Katastrophen kommen könne.

Absage an Privatisierungen
Anlässlich des Weltwassertages forderte Annan die Regierungen der Welt auf, die Anstrengungen zum Schutz der Flüsse, Seen und des Grundwassers zu verstärken: "Wir müssen Wasser gerechter verteilen und die Effizienz des Wasserverbrauchs - besonders in der Landwirtschaft - erhöhen", sagte er.
Wie das erreicht werden soll, darüber schieden sich auch in Mexiko die Geister. Die meisten der dort agierenden Organisationen erteilen jeglicher Privatisierung des Wassers eine unmissverständliche Absage. Wie schon in der Vergangenheit wurden Forderungen nach Milliardeninvestitionen zur Bekämpfung der Wasserarmut formuliert, um die sich anbahnenden Katastrophen zu verhindern.
Längst hat die private Wirtschaft das Wasser als ein lukratives Geschäft entdeckt. Dabei geht es vor allem darum, in große und kleine Projekte zu investieren und dabei Geld zu verdienen. Die Auswirkungen auf die Versorgung der Menschen und die Qualität des Wassers sind noch nicht alle bekannt.