Schon im Mittelalter wurden mit dem Vordringen in die Tiefe des Berges auch in Schwarzenberg Stollen zu dem Zweck angelegt, die Grubenwässer abzuleiten, zu „lösen“ sagt der Bergmann. Von diesen Wasserlöse-Stollen des Altbergbaus gibt es in Sachsen rund 900. Über Jahrzehnte wurden sie nicht mehr gewartet. Die Folge: „Im langjährigen Mittel treten im Freistaat zwischen 100 bis 150 Tagesbrüche auf“ , sagt Bergbaufachmann Bern Sablotny vom Wirtschaftsministerium in Dresden. Das Spektrum reicht von kleineren Löchern, die sich in Häusernähe oder an Straßen urplötzlich auftun, über rutschende Hänge und Halden bis zu Kratern von vier Metern Durchmesser. In Ortschaften, die sich quasi über einem löchrigen Käse befinden, verschwand vor den Augen ungläubig Staunender auf geheimnisvolle Weise nicht nur eine Garage auf Nimmerwiedersehen.

Folgeschäden beseitigen
Als dann beim Hochwasser vor fast vier Jahren in Sachsen die reißenden Fluten der Flüsse und Bäche auch im Erzgebirge durch Orte und Städte mit Brachialgewalt Schneisen der Verwüstung frästen, blieben unter Tage zahlreiche alte Stollen nicht verschont. „Es traf zum Teil Schächte, die seit Jahrhunderten als sicher galten“ , sagt Sablotny. In Schwarzenberg sind Mitarbeiter der Bergsicherung Sachsen GmbH (BSS) dabei, Folgeschäden zu beseitigen.
BSS-Chef Franz Riebisch seufzt: „Wasser war immer das größte Problem im Bergbau, denn jeder Eingriff in die Erde verändert das Fließen des Wassers.“ In dem Unternehmen stehen 44 Menschen in Brot und Lohn, zwei Lehrlinge werden zum Berg- und Maschinenmann ausgebildet. „Solange in den Stollen gearbeitet wurde, waren sie sicher. Schwierigkeiten machen sie zumeist erst nach ihrer Aufgabe“ , sagt der Diplom-Geologe.
Als in der Nacht vom 12. auf den 13. August 2002 sintflutartige Regenfälle über Sachsen niedergingen, bekam das den weitverzweigten Stollen in unterschiedlichen Höhen gar nicht gut. Die Fluten rissen Geröll mit sich, blockierten die oberen Strecken, die Wasser stauten sich. Zeitweilig baute sich unterirdisch eine rund 30 Meter hohe Wassersäule mit hohem Überdruck auf, die auszubrechen drohte. Es kam auch hier zu Tagesbrüchen und Hangrutschen.
Zunächst stand die akute Gefahrenabwehr im Vordergrund. Jetzt wird das Stollensystem dauerhaft saniert, damit auch bei Hochwasser oder Schneeschmelze keine Schäden auftreten können. Deshalb muss eine Verbindung von den oberen Stollen zu den tiefer gelegenen hergestellt werden, damit die Grubenwasser ungehindert abfließen können. In einem Lichtloch - das sind vertikal nach unten getriebene Verbindungsschächte zu den horizontal verlaufenden Stollen - türmt sich das Wasser noch heute etwa 18 Meter hoch.

Ende ungewiss
Seit Beginn der Sanierung in Schwarzenberg im August 2005 wurden bisher vier Schächte auf 3,2 Kilometern Länge wieder „fahrbar“ gemacht, also von Geröll und Schutt geräumt. Eine anstrengende, schweißtreibende Arbeit in den engen, kantigen und verwinkelten Stollen. Bis Jahresende soll dieser Teil der Arbeiten beendet sein. „Das wissen wir aber noch nicht genau, wenn die ganze Strecke verbrochen sein sollte, dann ist das Ende ungewiss“ , sagt Riebisch.