Während Vorgänger Bill Clinton mit einer Kombination von Zugeständnissen und Forderungen Pjöngjang international einzubinden versuchte, will Bush keine Konzessionen machen.

Erpressung nicht nachgeben
„Wir werden einer Erpressung nicht nachgeben“, betonte Sprecher Phil Reeker im Außenministerium. „Die internationale Gemeinschaft wird keinen Dialog aufnehmen als Antwort auf Drohungen und gebrochene Versprechen und wir werden Nordkorea keine Anreize anbieten, damit es die von ihm unterzeichneten Verträge und Vereinbarungen einhält.“ Außenminister Colin Powell steht in engem Kontakt mit seinen Amtskollegen in Russland, China, Japan, Südkorea, Großbritannien und Frankreich, um die diplomatische Front zu versteifen.
Mit seiner Haltung habe der Republikaner die in Washington bisher vorherrschende Philosophie auf den Kopf gestellt, sagte der Asienexperte Gordon Flake der „Los Angeles Ti-mes“. Während die Clinton-Administration das Regime in Pjöngjang für unberechenbar gehalten habe, glaube Bush, dass die Nordkoreaner rational genug seien, um keinen „Selbstmord“ zu riskieren. Wenn diese Einschätzung falsch wäre, könnte das Ergebnis katastrophal sein.
Die liberale „New York Times“ gab dem Präsidenten in einem Leitartikel den Rat, die Absage an Verhandlungen zu überdenken. Es sei zwar verständlich, dass er schlechtes Benehmen nicht belohnen und anderen Ländern signalisieren wolle, die Verletzung von Abmachungen gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen könne einträglich sein. Aber Verhandlungen allein bedeuteten noch keine Politik der Anpassung. Und eine starre Weigerung helfe nur Nordkorea, das einen Keil zwischen Washington und das kooperationswillige Südkorea treibe und kaum völlig isoliert werden könne.

Zweifel an Rumsfeld-Worten
Wie beim Irak, so lautet die Argumentation, würde mehr Flexibilität auch die Verbündeten im Ernstfall eindeutig auf die Seite der USA ziehen. Sie würde ferner die explosive Lage nicht weiter in Richtung auf eine bewaffnete Auseinandersetzung treiben, die niemand will, auch Washington nicht. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat zwar versichert, dass die USA zwei regionale Kriege gleichzeitig führen und gewinnen können. Militärexperten erklärten aber, das sei zwar patriotisch edel gewesen. Aber die USA hätten in Wirklichkeit nicht die Mittel, zwei große konventionelle Kriege zur gleichen Zeit zu führen. Das sei auch der Grund für die neue Bush-Doktrin, feindlichen Angriffen mit Präventivschlägen zuvorzukommen und dabei notfalls auch Nuklearwaffen einzusetzen.