Aber selbst dann stehen der Wirtschaft des Landes unruhige Zeiten bevor. Denn das politische Patt im Kongress hat auf zu vielen Feldern zu einem faktischen Stillstand der Gesetzgebung geführt - was insbesondere bei Haushaltsfragen weitreichende Wirkung zeigt.

Das, was vor knapp zwei Jahren die Abgeordneten zum Gesetz machten, sollte nur eine Art Drohkulisse sein. Mit dem damals beschlossenen Abbau der Steuervergünstigungen der Bush-Jahre und mit weitreichenden Ausgabenkürzungen wollten sich die Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses selbst unter Druck setzen. Keiner dachte damals ernsthaft daran, dass mit Beginn des Jahres 2013 in den USA eine drastische Sparpolitik Wirklichkeit werden könnte. Aber dann führten die monatelangen Verhandlungen zwischen den Vertretern der beiden großen Parteien zu keinem Ergebnis. Und im anschließenden Wahlkampf, der von beiden Seiten aggressiv geführt wurde, war an eine Einigung ebenfalls nicht zu denken.

Der Wahlausgang hat die Lösung des Problems zusätzlich erschwert. Denn die Republikaner, die mit ihrem Präsidentschaftskandidaten scheiterten, sind zerstritten und mitten in einer heftigen Diskussion um den weiteren Kurs. Die Hängepartie, die derzeit die US-amerikanische Politik kennzeichnet, lässt sich jetzt auch nicht mehr in einigen wenigen verbliebenen Tagen beenden. Zu umfangreich ist der Komplex an notwendigen Regelungen, der seit Jahren auf die lange Bank geschoben wird.

Es geht keinesfalls nur um die Steuersätze und die Höhe der Staatsausgaben. Es geht auch um Agrargesetze, die erhebliche Auswirkungen auf die Preise haben, um Krankenkassenzuschüsse und um die Dauer der Arbeitslosenversicherung. Mit Jahresbeginn laufen auch viele Gesetze aus, die zu Beginn der Wirtschaftskrise mithelfen sollten, die Konjunktur zu stabilisieren. Es ist ausgeschlossen, dass jetzt noch eine umfassende Initiative auf all diesen Gebieten für Klarheit sorgt. Im besten Falle werden die Steuererhöhungen für einen großen Teil der Bevölkerung erneut ausgesetzt - wahrscheinlich verbunden mit einigen Absichtserklärungen zur Ausgabenkürzung. Möglicherweise passiert aber zunächst auch gar nichts mehr. In jedem Falle wird der große Streit um den Staatshaushalt weitergehen und auch 2013 die Politik des Landes bestimmen.

Grund der Auseinandersetzung ist das enorme Haushaltsdefizit, das sich in den vergangenen vier Jahren angehäuft hat. Die Republikaner haben einen Stopp der stetigen Verschuldung zu einem ihrer wichtigsten Ziele gemacht. Sie haben dies verbunden mit Streichungen in den Sozialprogrammen und sich strikt gegen neue Steuern ausgesprochen.

Die Demokraten um Präsident Barack Obama verlangen für die Reichen zusätzliche Steuerabgaben. Da jeder auf seinem Standpunkt beharrt, ist die Gesetzgebung blockiert, denn die Republikaner haben im Kongress weiterhin eine Sperrminorität.

Um wieder handlungsfähig zu werden, muss sich das gesamte politische Klima in Washington ändern. Dies aber wird ein schwieriger, vor allem zeitaufwendiger Prozess.

Bei den Demokraten wächst die Neigung, jetzt abzuwarten, ob und wie der interne Streit bei der Gegenseite ausgeht. Die Republikaner hatten sich mit ihrem kategorischen Nein zu jeder Form der Steuererhöhungen bei der Mehrheit der Wähler ins Abseits gestellt.

Dass sie dafür einen hohen Preis bezahlen - darauf spekuliert Barack Obama. Die globale Wirtschaft aber wird so zur Geisel der politischen Auseinandersetzungen in den USA.