Sie ließ sich scheiden, heiratete ihre Jugendliebe und machte sich mit einer Hundeboutique samt Hundewaschanlage selbständig.
Starke Nerven hat sie. Als Berufsschullehrerin ließ sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Und doch bekam sie zunehmend Herzbeklemmungen bei dem Gedanken, 15 Jahre und vielleicht noch länger in der Schule durchhalten zu müssen. "Ich liebe das Leben, aber der Job, der oft mit Nervenkrieg verbunden ist, überschattete im Laufe der Zeit alles", gibt sie zu. Zudem war ihre Ehe in einer Sackgasse und der herannahende 50. Geburtstag hing wie ein Damoklesschwert über ihr. Ihr erster Schritt: Sie ließ sich scheiden. Wieder frei für Gefühle und bereit für eine neue Partnerschaft, erinnerte sie sich an ihre erste große Liebe. Ulrike war 15, Thomas ging in die Parallelklasse. Erste zarte Küsse, Händchenhalten. Aber nach der Schule trennten sich ihre Wege.
"Nach meiner Scheidung rief ich ihn einfach mal an", verrät Ulrike Schubert. "Und siehe da, er hatte auch gerade eine Ehe hinter sich." Nach über 30 Jahren trafen sie sich. "Es knisterte sofort wieder zwischen uns", erinnert sie sich. Hochzeitsglocken läuteten. Ulrike im Glück. Privat.
Beruflich träumte sie davon, ihr eigener Herr zu werden. Seit Jahren schwebte ihr eine Hundeboutique vor. "Doch mir fehlte echt die zündende Idee", meint sie. Bis sie von einer Hamburger Hundewaschanlage hörte, die eine Tankstelle lediglich als Werbegag hatte.
Als dann zeitgleich in Leipzig auch noch ein Zoogeschäft schloss und die Gewerberäume frei wurden, erfüllte sich Ulrike Schubert ihren Traum. Sie kaufte die Hundewaschanlage und stellte sie in ihre zuvor komplett selbst umgebaute Boutique. Dort kann Herrchen oder Frauchen nun den Vierbeiner fünf, zehn oder 15 Minuten waschen und fönen. Damit sich die Hunde danach nicht wie begossene Pudel fühlen, liegen die in der eigenen Vierbeiner-Schneiderei selbst entworfenen Bademäntel bereit, die übrigens auch gekauft werden können. So, wie alles andere in der geschmackvoll eingerichteten Hundeboutique: vom Halsband mit geschliffenem Kristallglas über Sonnenbrillen bis hin zu Bacecaps.
Nur der Gordon Setter Chita ist nicht käuflich. Ulrike Schuberts Hund liegt oft vor dem Geschäft und begrüßt die Kunden. Wenn sie einen eigenen Vierbeiner mitbringen, ist die Freude bei ihm gleich noch mal so groß. So, wie bei seinem Frauchen. "Ich fühle mich richtig befreit", seufzt sie. "Zwar habe ich jetzt kein regelmäßiges Einkommen mehr, aber die Arbeit macht mir soviel Spaß, dass ich nun noch einmal 50 Jahre draufpacken könnte", schwärmt sie und bereut ihre Entscheidungen keinen einzigen Tag.