Was ist Rechtsextremismus„ Was kann man dagegen tun“ Und wer tut schon etwas? Man kann viel bewegen und Brandenburg hat schon viel getan, sagte der Direktor des MMZ, Julius Schoeps. Trotz aller richtigen Ansätze und Projekte werde der Rechtsextremismus dem Land noch lange als Problem erhalten bleiben. Das sei eine Bedrohung für die Mark, das Land habe die Herausforderung aber angenommen. Hier setze das neue Buch des MMZ „Rechtsextremismus in Brandenburg“ an. Als „Handbuch für Analyse, Prävention und Intervention“ sei es ein Ratgeber für alle, die mit dem Rechtsextremismus konfrontiert sind.
Kommunalwahlen 2008, Europa-, Landtags und Bundestagswahlen 2009 – in den nächsten beiden Jahren sei auch in Brandenburg mit verstärkten Aktivitäten der rechtsextremen Parteien, insbesondere der NPD, zu rechnen, sagte Schoeps. „Das Handbuch soll der Vorbeugung dienen.“ Das Buch mit 40 praxisnahen Beiträgen von 50 Autoren enthalte auch einen umfangreichen Serviceteil von rund 65 Seiten.
Es sei wichtig, dass das Buch jetzt schon erschienen sei, „also bevor die NPD anfängt, Unterstützer-Unterschriften für die Kommunalwahlen zu sammeln“, sagte Gideon Botsch vom MMZ. „Nach wie vor gibt es hier ein erhebliches rechtsextremes Potenzial. Ereignisse wie das Hetzen von Ausländern im sächsischen Mügeln können sich auch hier jederzeit ereignen.“
Da sich Brandenburg aber seit Jahren intensiv mit dem Rechtsextremismus befasse, würde sich ein ähnliches Ereignis hier vermutlich anders abspielen, zeigte sich der Politologe zuversichtlich. In der Mark seien Festveranstalter vorgewarnt, die Polizei mit ihren Einsatzgruppen Mega (Mobile Einsatzeinheit gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit) und Tomeg (Täterorientierte Maßnahmen gegen extremistische Gewalt) sensibilisiert, Zivilcourage stärker ausgeprägt, Hilfsangebote für Opfer besser und der Umgang mit dem Problem professioneller.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über entvölkerte Landstriche warnte der Politologe Christoph Kopke vom MMZ, dass hier die NPD in Lücken stoßen könne. Die Bürger müssten sich mit ihrem Gemeinwesen identifizieren. Bekommen sie das Gefühl „Hier kümmert sich niemand mehr um mich“, seien sie oft leichte Beute für die NPD. Allerdings glaube er nicht, dass die NPD hier ebenso stark wie in Sachsen werden könnte.
Botsch kritisierte in diesem Zusammenhang die Landesregierung. „Es reicht nicht, darauf hinzuweisen, wie gut doch Potsdam auf dem Prognos-Atlas der erfolgreichen Städte abgeschnitten habe, wenn zugleich der Südosten Brandenburgs bundesweit absolut am Ende steht.“
Ohne die ausgeprägte und vielfältige Kultur der Beschäftigung mit dem Rechtsextremismus wäre das Buch nicht möglich gewesen, sagte Botsch. „Die Rechtsextremen haben Unrecht, wenn sie behaupten, sie seien die schweigende Mehrheit.“ Brandenburg sei demokratisch. „Aber dieses demokratische Brandenburg muss sich immer wieder behaupten. Dazu soll dieses Buch einen Beitrag leisten.“

Das Buch „Rechtsextremismus in Brandenburg“ ist im Verlag für Berlin-Brandenburg erschienen, ISBN-Nummer 978-3-86650-640-4, hat 455 Seiten und kostet 19,80 Euro.