Die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen aussetzen: Das wird von SPD-Chef Sigmar Gabriel ebenso gefordert wie von Ex-Agrarministerin Ilse Aigner (CSU). Der designierte FDP-Chef Christian Lindner formulierte kürzlich: "Freiheit steht vor Freihandel". Die Verhandlungen über das "Transatlantische Handels- und Investment-Partnerschaft" (TTIP) genannte Werk begannen im Juli.

EU wie USA sind sehr interessiert an einer gemeinsamen Freihandelszone, in die auch Kanada und Mexiko einbezogen wären. Es entstünde ein riesiger Markt von über einer Milliarde Menschen, der 50 Prozent der Weltwirtschaftsleistung abdeckt.

In den USA wird mit 1,1 Millionen zusätzlichen Jobs gerechnet, in Deutschland mit 180 000. Dabei geht es weniger um den Abbau von Zöllen - die gibt es kaum noch -, sondern um die Beseitigung bürokratischer Handelshemmnisse und die Entwicklung gemeinsamer Normen und Standards, die dann de facto zu Weltstandards würden.

Das Swift-Abkommen stoppen: Nach diesem von Anfang an umstrittenen Abkommen werden den USA seit 2010 in bestimmten Grenzen Daten des in Europa ansässigen Dienstleisters Swift zugängig gemacht, über den internationale Bankgeschäfte abgewickelt werden.

Ziel: Terrorfinanzierungen aufspüren. Nachdem Edward Snowden jedoch enthüllt hatte, dass die NSA Swift ohnehin komplett ausspäht, beschloss das EU-Parlament das Abkommen auszusetzen. Die Sache liegt nun bei der EU-Kommission.

Problem: Auch die Europäer brauchen zur Terrorabwehr Kenntnisse über solche Finanzströme. Ähnlich zwiespältig wäre die Kündigung eines seit letztem Jahr geltenden Abkommens, das den USA erlaubt, Daten von Fluggästen, die in ihr Land reisen, an ihre Sicherheitsbehörden weiterzuleiten. Auch hier entstünde eine Lücke bei der Terrorabwehr.

Den "Safe-Harbour"-Pakt kündigen: US-Unternehmen haben ein hohes Interesse an personenbezogenen Kunden-Daten aus Europa. Die aber dürfen sie nur erhalten, wenn sie sich zuvor zur Einhaltung europäischer Datenschutzstandards verpflichten und dem Safe-Harbour-Pakt (Sicherer Hafen) beitreten, den die EU dafür angeboten hat. 3000 US-Firmen haben das bereits getan. Jetzt fordern Europapolitiker wie der CSU-Abgeordnete Manfred Weber, den Pakt zu kündigen. Das würde Facebook, Apple und Co empfindlich treffen.

Die Forderung ist umso berechtigter, als im September bekannt wurde, dass sich viele US-Firmen sowieso nicht an die datenschutzrechtlichen Begrenzungen halten.

Edward Snowden aufnehmen: Das wäre für die USA wohl eine ultimative Provokation, würde es doch ihren Status als Rechtsstaat, der keine Asylgründe produziert, in Frage stellen. Anderseits haben die Amerikaner mit dem Abhören des Merkel-Handys selbst Tabus gebrochen.

Nach § 22 Aufenthaltsgesetz kann Deutschland einem Ausländer aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilen. Es reicht als Motiv die "Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland". Ein entsprechender Anlass naht: Wenn es einen Untersuchungsausschuss gibt, könnte Snowden dort als Zeuge geladen werden. Dann müsste man ihm garantieren, dass man keinem Auslieferungsersuchen der USA nachkommt, sondern ihm eine sichere Zuflucht in Deutschland gewährt. Der Eklat wäre da.

Diplomatisch gegen die USA vorgehen: Zum einen kann Deutschland Botschaftsmitarbeiter, die in die Überwachung verwickelt sind, sofort des Landes verweisen. Das hat Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schon angedeutet. "Wenn wir Schuldige finden und namhaft machen können, dann müssen die auch mit den Rechtsfolgen leben", sagte er. Strafverfahren gegen die Betroffenen sind wegen der diplomatischen Immunität nicht möglich. Zum anderen planen Angela Merkel und Brasiliens Präsidentin Rousseff eine UN-Resolution, in der das Ausspähen unschuldiger Bürger in allgemeiner Form verurteilt werden soll. Die USA sind gemeint, werden aber nicht genannt. Sie würden so politisch in dieser Angelegenheit isoliert.