Allerdings: Spätestens 2014 ist eine Erhöhung des Kinderfreibetrags erforderlich. Nach dem letzten, vor einem Jahr verabschiedeten Existenzminimum-Bericht müsste er 2014 von derzeit jährlich 4368 auf 4440 Euro steigen.

Aus dem von der Union angekündigten Abbau heimlicher Steuererhöhungen - der "Kalten Progression" - wird vorerst nichts. Die Minderung des Problems, dass trotz Lohnerhöhungen bei hoher Preissteigerung die Kaufkraft der Arbeitnehmer wegen steigender Steuersätze nicht zunimmt und nur der Fiskus profitiert, hätten wohl auch SPD und Länder mitgetragen - aber nur bei einer Gegenfinanzierung an anderer Stelle wie Steuererhöhungen für Top-Verdiener und Vermögende.

Union und SPD haben sich nicht über eine Verfassungsänderung zur Abschaffung des Bund-Länder-Kooperationsverbots in der Bildung einigen können. Die Union sperrt sich gegen die SPD-Forderung nach einem zweiten Bundesprogramm zum Ausbau der Ganztagsschulen. Die zugesagten Hilfen des Bundes für Lehre und Grundfinanzierung der Hochschulen sind nur befristet - und werden nicht dauerhaft durch eine Verfassungsänderung abgesichert. Ein Bekenntnis zu der von Union und SPD in Aussicht gestellten "spürbaren" Bafög-Erhöhung fehlt in dem Vertrag.

Auch aus dem Gesetz zur Entgeltgleichheit wurde in der geplanten Form nichts. Zwar wird künftig ein individueller Auskunftsanspruch für Arbeitnehmer festgelegt, allerdings fehlt die von der Arbeitsgruppe Familie geforderte ausgewogene Besetzung der Tarifkommissionen mit Männern und Frauen. Auch die Pflicht, die Bemühungen zur Entgeltgleichheit in Tarifverhandlungen zu dokumentieren, ist auch vom Tisch.

Schritte hin zur Bürgerversicherung, wie sie die SPD gewollt hatte, gibt es nicht - also keine Veränderungen bei der privaten Krankenversicherung wie leichtere Rückkehrmöglichkeiten in die gesetzlichen Kassen. Auch ein zunächst geplanter 500-Millionen-Euro-Fonds zur Unterstützung von Kliniken, die etwa in Pflegezentren umgewandelt werden sollen, ist wieder entfallen.

Die Forderung der SPD, das Betreuungsgeld abzuschaffen und in den Ausbau der Kinderbetreuung zu stecken, findet sich im Koalitionsvertrag ebenfalls nicht wieder.