" Ausgerechnet am Wahlsonntag, dem schwärzesten Tag für die CSU, feierte er seinen 67. Geburtstag. In seiner ersten Reaktion machte Stoiber aber auch deutlich, dass er künftig wieder stärker mitmischen will. "Ich werde mich als Ehrenspielführer ein Stück weit einbringen", sagte er am Rande der Sitzung des CSU-Vorstandes. In den vergangenen Monaten hatte Stoiber öffentlich zu allen Turbulenzen und Pannen in der CSU geschwiegen. Stoiber fügte gestern aber hinzu, es sei wichtig, nun die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Gespannt warten viele in der Partei, ob Stoiber sich offen zu Parteivize Horst Seehofer als neuem Vorsitzenden bekennt. Dass es eine "Telefonachse" zwischen Stoiber und dem in Berlin am Kabinettstisch sitzenden Oberbayern gibt, war in den vergangenen Tagen bereits Gegenstand von Spekulationen. Politik seit 2003 im BlickGeärgert haben dürfte Stoiber am Wahlabend ein Seitenhieb von CSU-Chef Erwin Huber, wonach die Verantwortung für die CSU-Verluste nicht nur bei der aktuellen Führungsspitze liege. "Der Wähler hat die gesamte Politik seit dem Jahr 2003 im Blick gehabt", sagte Huber. Damit prangerte er indirekt Stoibers rigorose Sparpolitik und dessen Berliner Wackelkurs an. Aus der Deckung ging Stoiber auch gestern nicht. Aber schon die Tatsache, dass er an der Krisensitzung des engeren Vorstandes der immer noch einflussreichen Oberbayern-CSU unmittelbar vor dem Gesamtvorstand teilnahm, deuteten viele als Kampfansage an Huber. Schützenhilfe erhielt der Ex-Partei- und Regierungschef von dem oberbayerischen Bezirkschef Siegfried Schneider. Der Kultusminister machte noch am Wahlabend den fehlenden Stoiber-Bonus für das Desaster der CSU verantwortlich. Oberbayerns Einfluss schwindetStoiber aber wird sich als "Ehrenspielführer" wohl nicht mehr in das tiefste CSU-Getümmel stürzen. Obwohl ihn vor allem viele oberbayerische Parteifreunde zu einer erneuten Landtagskandidatur gedrängt hatten, hatte Stoiber nach 34 Jahren im Maximilianeum den parlamentarischen Ruhestand vorgezogen. Außerdem schwindet der Einfluss der einst mächtigen CSU-Oberbayern, in der Stoiber seine stärkste Hausmacht hat: Die Christsozialen im mitgliederstärksten Bezirksverband mussten am Sonntag noch mehr Federn lassen als die Partei im Landesdurchschnitt.