Auch ein Freundschaftsbesuch braucht ein Motto. Was früher die Achse Deutschland-Frankreich war, ist heute die Achse Deutschland-Polen. So lässt sich Stanislaw Tillichs Botschaft in Dresden grob zusammenfassen. "Deutschland und Polen gestalten die Zukunft Europas", verkündete Sachsens Premier am Dienstagabend in seiner Rede vor der deutsch-polnischen Gesellschaft in Warschau.

Der erlesene Kreis aus Wirtschaft, Medien und Politik wollte das aber nicht so einfach schlucken. Sondern traktierte Tillich erstmal mit kritischen Fragen. Zu den Pegida-Demonstrationen, zum rechtsterroristischen Trio NSU, zu kruden Ideen der Partei "die Rechte" und zur NPD. "Man fragt sich schon, was läuft da gerade in Deuitschland", sagte der Chefredakteur der Tageszeitung "Rzeczpolspolita", Boguslaw Chrabota.

Da sagte dann der Gast aus Dresden, er sei überzeugt, "dass die Bundesrepublik eine starke Demokratie ist, die es schafft, solche Herausforderungen zu meistern".

Polen kennt dieser Tage nur ein Thema, es heißt Ukraine. Die Krise im Osten hat in Polen ein "durchaus konkretes Bedrohungsgefühl" geweckt, stellt der deutsche Botschafter Rolf Nikel fest. In dieser Lage nun stehen Deutschland und Polen zum ersten Mal auf der gleichen Seite der Geschichte. Was aber nicht heißt, dass den Polen die deutsche Führungsrolle in den Russland-Verhandlungen wirklich schmecken würde.

Warum Polen bei den Verhandlungen nicht am Tisch sitze, musste sich auch Tillich fragen lassen. Weil Deutschland und Frankreich das Mandat für die Verhandlungen mit Russland hätten, so seine Antwort. Dann aber zurück zur Achse Sachsen-Polen. Vieles laufe beiderseits der Grenze nahezu parallel, betonte Tillich und lobte die Polen dafür, sich nach der Wende "am Schopf aus dem Desaster herausgezogen" zu haben. Die harten Reformen von damals trügen heute Früchte.

Was dagegen aus denen werde, die keine Reformen durchzögen, könne man zurzeit in Südeuropa beobachten. Während "im westlichen Europa Unzufriedenheit und Selbstzweifel am Sinn westlicher Werte um sich greifen", so Tillich, stehe Polen "sehr standhaft und inspiriert für diese Werte ein". Da wurde auch das kritische Publikum der deutsch-polnischen Gesellschaft etwas milder.

Drei Tage lang sprintete Sachsens Premier von Termin zu Termin, von Warschau bis Wroclaw, um die guten Kontakte zum östlichen Nachbarn aufzufrischen. Er war als erster deutscher Länderchef beim Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski zu Gast, der ihn zum Abschied umarmte. Die Ministerin für Infrastruktur und Entwicklung, Maria Wasiak, empfing ihn zu Gesprächen. Er leistete im Innenministerium Überzeugungsarbeit für die Bahnlinie Dresden-Wroclaw, die die polnische Seite kürzlich eingestellt hat, weil sie sich nicht mehr lohne.

Am Mittwoch dann noch ein Schnellbesuch im Museum der Geschichte der polnischen Juden. Die spärlichen Reste, die der Krieg von der einst üppigen jüdischen Kultur übrig gelassen hat, haben die Ausstellungsmacher dort zusammengetragen. Das Museum, das zumeist mit Rekonstruktionen arbeitet, eröffnete 2014 und ist seitdem Pflichtstation für politische Delegationen, wie Tillichs. Der legte hinterher vor dem Denkmal der Helden des Ghettos einen Kranz nieder. Und fuhr dann weiter nach Tschenstochau, dem katholischen Pilger-Hotspot des Os tens.