"Die amerikanische Gesellschaft versteht es, schnell zu integrieren", sagt Brian Johnson, Zweiter Sekretär der US-Botschaft in Berlin, als er auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Cottbus über die Inte grationsstrategien der USA spricht. Nicht zuletzt, weil in den USA "alle, außer die Native Americans einen Migrationshintergrund haben", sagt Johnson. Gemeinsam mit Knut Abraham, seines Zeichens ehemaliger Generalkonsul der Deutschen Botschaft in Washington D.C. und derzeit zuständig für bilaterale Beziehungen im Bundeskanzleramt, diskutieren sie zum Thema "Wie gelingt Integration? Von den USA lernen" im Lindner Congress Hotel. Brian Johnson nennt die wichtigsten Säulen für einen Erfolg und erklärt, warum die USA bessere Voraussetzungen haben.

Sprache: Der Zugang zur Sprache ermöglicht eine schnelle Integration schon auf Gemeindeebene. Im Vergleich zu Deutschland haben die USA den entscheidenden Vorteil, dass viele der Ankömmlinge bereits Englisch sprechen. "Weil die Sprache schon im Ausland erworben wurde, muss dieser Kraftakt nicht mehr auf sich genommen werden", sagt Johnson.

Wirtschaft und Bildung: Auch hier müsse man den Unterschied zu Deutschland sehen, sagt Johnson. "Die meisten Immigranten, die in die USA kommen, haben schon einen akademischen Grad oder wollen an den Universitäten lernen." Und wenn das nicht der Fall ist, gibt es klare Vorgänge: In den USA werden auch Kinder ohne Papiere an den Schulen aufgenommen. Hier schließt sich der Bogen zur sprachlichen Integration. "Ab dem Kindergarten bis zur Universität wird Kindern von Immigranten sofort Zugang zu Bildung verschafft", berichtet Johnson. Die Erfahrung zeige, wie entscheidend das ist: Spätestens die dritte Generation der Immigranten erreicht das gleiche oder sogar ein höheres Bildungsniveau als die Amerikaner. So ist auch der Einstieg in den amerikanischen Arbeitsmarkt leichter - Flüchtlinge werden sofort aufgefordert, Arbeit aufzunehmen. Die USA seien auch flexibler in der Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Gesellschaft: Flüchtlingen hilft es, wenn sie sich willkommen fühlen. In den USA findet die Willkommenskultur vor allem auf Länder- und Gemeindeebene statt. "Es gibt viele starke Initiativen", sagt der US-Botschafter. Es sei wichtig, dass die Gemeinden vor Ort für die Aufnahme bereit sind. Vorbereitungen dafür werden auf Regierungsebene geschaffen. "Kirchen und andere religiöse Institutionen sind oft als Erstes da, um die Menschen willkommen zu heißen", erzählt Johnson. Generell, ergänzt Knut Abraham aus eigener Erfahrung, gebe es einen kulturellen Unterschied zu Deutschland. "Die Amerikaner sind offener, halten gerne Small Talk. Da wird man auch an der Supermarktkasse gefragt, wie es einem geht. Das ist amerikanische Lebensart."

Dass Integration ein Kraftakt ist, steht auch für den US-Botschafter außer Frage. "Aber", sagt Johnson, "wenn die Menschen am Ende eine neue Heimat gefunden haben, ist dieses Ergebnis jede Anstrengung wert."

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